Business
Deutsche-Bank-Chef gibt Spekulanten die Schuld
Veröffentlicht · Aktualisiert · 4 Min. Lesezeit
Gerüchte über die Deutsche Bank sowie die Spekulanten seien Schuld am extremen Absturz des Geldhauses an der Börse, sagt Vorstandschef John Cryan in einem Schreiben an seine Mitarbeiter. Er bestätigt den Verlust „einiger weniger“ Kunden.

Statt sich darauf zu konzentrieren, mehr Eigenkapital für die Deutsche Bank zu organisieren, hat CEO John Cryan am Freitagmorgen eine Mitteilung an seine Mitarbeiter veröffentlicht. Vor dem Hintergrund eines extremen Kurseinbruchs (am Donnerstagabend erstmals unter 10 Euro pro Aktie) versuchte der Bankchef, die Sorgen zu zerstreuen.
John Cryan hat genau das getan, was auch andere Bankchefs in vergleichbar verzweifelten Situationen getan haben, darunter etwa Dick Fuld, der letzte Chef der US-Investmentbank Lehman Brothers vor deren Pleite. Er gibt „Gerüchten“ die Schuld und den bösen Spekulanten. Er schreibt:
„Unsere Bank ist Gegenstand heftiger Spekulationen geworden, immer neue Gerüchte führen dazu, dass unser Aktienkurs inzwischen heftigen Ausschlägen unterliegt. […] Vertrauen steht im Bankgeschäft am Anfang von allem. Am Markt sind gerade einige Kräfte unterwegs, die dieses Vertrauen in uns schwächen wollen.“
John Cryan bestätigt Verlust „einiger weniger Hedgefonds-Kunden“
Dieses Ablenkungsmanöver war vorhersehbar. Wichtiger ist, dass John Cryan einen Medienbericht bestätigt, wonach mehrere Investmentfonds, die über die Deutsche Bank Derivate handeln, dort in den letzten Tagen Guthaben abgezogen haben. Doch die Sorgen wegen „einiger weniger Hedgefonds-Kunden“ seien unberechtigt, sagt der Deutsche-Bank-CEO.
John Cryan versucht auch gleich, die Sorgen unter den Teppich zu kehren, und schreibt: „Wir sollten das einmal im Gesamtbild betrachten. Insgesamt hat die Deutsche Bank mehr als 20 Millionen Kunden.“ Das ist zwar im Prinzip richtig, doch jeder Bankrun beginnt mit „einigen wenigen“ Kunden, die ihr Geld abziehen.
Doch der Vorstandsvorsitzende legt keinen Plan vor, wie er die Liquidität der Bank verbessern will. In seiner Mitteilung erwähnt er weder eine mögliche Kapitalerhöhung noch mögliche Aktienkäufe durch die EZB noch einen möglichen Bailout. Auch findet sich hier kein Plan, wie er das schwindende Vertrauen in seine Bank wiederherstellten will.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Sie können in den Medien Spekulationen darüber lesen, dass uns einige wenige Hedgefonds-Kunden verlassen haben. Das sorgt zu Unrecht für weitere Unruhe. Wir sollten das einmal im Gesamtbild betrachten. Insgesamt hat die Deutsche Bank mehr als 20 Millionen Kunden.
Trotzdem kann ich gut verstehen, dass Sie die ausführliche Berichterstattung beunruhigt. Unsere Bank ist Gegenstand heftiger Spekulationen geworden, immer neue Gerüchte führen dazu, dass unser Aktienkurs inzwischen heftigen Ausschlägen unterliegt.
Unsere Aufgabe ist es nun dafür zu sorgen, dass diese verzerrte Außenwahrnehmung unser Tagesgeschäft nicht stärker beeinflusst. Vertrauen steht im Bankgeschäft am Anfang von allem. Am Markt sind gerade einige Kräfte unterwegs, die dieses Vertrauen in uns schwächen wollen.
Die Deutsche Bank verfügt über ein starkes Fundament. Lassen Sie mich hier einige der wichtigsten Daten nennen:
1. Wir erfüllen alle aktuellen Eigenkapitalanforderungen und sind bei unserem Umbau im Plan. Wir haben gerade den Verkauf des britischen Versicherers Abbey Life abgeschlossen und auch bei unserer chinesischen Bank Hua Xia stehen wir vor einem Abschluss. Damit wird unser Eigenkapital weiter gestärkt.
2. Unsere Markt- und Kreditrisiken haben wir im Laufe der vergangenen Jahre deutlich reduziert. Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Deutsche Bank, was ihre Bilanz angeht, so sicher wie heute.
3. Wir haben im ersten Halbjahr trotz Niedrigzins und einem schwierigen Umfeld einen Gewinn vor Steuern von rund einer Milliarde Euro erzielt. Ohne Sondereffekte wie zum Beispiel Restrukturierungskosten waren es sogar rund 1,7 Milliarden Euro. Das zeigt die operative Stärke der Deutschen Bank.
4. Am wichtigsten in einer solchen Situation sind aber unsere Liquiditätsreserven. Mit einem Wert von weiterhin mehr als 215 Milliarden Euro haben wir einen überaus komfortablen Puffer. Es bewährt sich nun, dass wir äußerst konservativ geplant haben. Das bestätigen zahlreiche Bankanalysten.
Es gibt also keine Basis für diese Spekulationen. Auch die Ungewissheit über den Ausgang unseres Rechtsverfahrens in den Vereinigten Staaten ist kein Grund für diesen Druck auf unseren Aktienkurs, wenn wir die Vergleiche direkter Wettbewerber als Grundlage nehmen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie haben in den vergangenen Tagen fantastische Arbeit geleistet. Sie waren und sind es, die unseren Kunden im ständigen Kontakt verständlich machen, wie es wirklich um die Bank bestellt ist. Sie sind die Deutsche Bank, das haben Sie auch in den vergangenen Tagen wieder eindrucksvoll bewiesen. Dafür sind wir alle im Vorstand Ihnen sehr dankbar.
Sie werden bald wieder von mir hören. Arbeiten Sie weiter wie bisher. Wir sind und bleiben eine starke Deutsche Bank.
Herzlichst
Ihr
John Cryan
In diesem letzten Punkt hat der Deutsche-Bank-Chef wohl recht. Ganz sicher werden wir „bald wieder“ von ihm hören. Möglicherweise geht es dann schon um einen Bailout für seine Bank, wie es der amerikanische Star-Investor Jeffrey Gundlach erwartet.


