Industrielle Abwärme ist das größte ungenutzte Energiepotenzial Europas – und sie entsteht täglich, in jedem Stahlwerk, jeder Zementfabrik, jedem Rechenzentrum. In Deutschland gehen so mehr als 200 Terawattstunden pro Jahr verloren, europaweit rund 900 Terawattstunden. Energie, die bereits produziert wurde – und trotzdem verpufft. Die Energy Towers AG will das ändern. Das Schweizer Unternehmen entwickelt eine Technologie, die genau diese Abwärme in grundlastfähigen, klimaneutralen Strom umwandelt – unabhängig von Wetter, Tageszeit oder Jahreszeit.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Enormes ungenutztes Potenzial Allein in Deutschland fallen jährlich über 200 TWh industrielle Abwärme an – bislang weitgehend ungenutzt. Energy Towers erschließen diese Energiequelle ohne zusätzliche Emissionen oder Brennstoffkosten.
- Grundlastfähig – was Solar und Wind nicht können Die Technologie liefert kontinuierlich Strom, solange der Industrieprozess läuft. Damit schließt sie die strukturelle Lücke im Stromsystem, die wetterabhängige Energiequellen hinterlassen.
- Skalierbar von Mittelstand bis Gigafactory Anlagen zwischen 100 kW und 5 MW ermöglichen den Einsatz in verschiedensten Industrien – von klassischen Produktionsbetrieben über Rechenzentren bis hin zu Batteriewerken für Elektrofahrzeuge.
Wie funktioniert die Stromerzeugung aus Abwärme?
Das Grundprinzip der Energy Towers basiert auf dem archimedischen Auftrieb: Industrielle Abwärme erhitzt Luft, die in einer Flüssigkeitssäule aufsteigt und dabei Turbinen antreibt. Ein patentiertes Schleusensystem sorgt für kontinuierlichen Betrieb, ein geschlossener Kreislauf verhindert Energieverluste nach außen.
CTO und Erfinder Zeki Akbayir beschreibt das Prinzip so: Wir nutzen den Auftrieb zur Stromerzeugung und erschließen dafür bislang weitgehend ungenutzte industrielle Abwärme als Energiequelle. Einzelne Systemkomponenten erreichen Wirkungsgrade von bis zu 87 Prozent, das Gesamtsystem liegt aktuell bei über 25 Prozent – gemessen von der eingespeisten Abwärmemenge bis zur erzeugten Kilowattstunde. Da diese Energie andernfalls vollständig verloren ginge, entspricht jede erzeugte Kilowattstunde einem reinen wirtschaftlichen Gewinn.
Wo lässt sich Abwärme in Strom umwandeln?
Das Einsatzspektrum ist breiter, als es zunächst erscheint:
- Industrie und Produktion: Stahl, Chemie, Zement, Papier – überall dort, wo Abwärme als unvermeidbares Nebenprodukt anfällt, lässt sie sich künftig direkt in Strom umwandeln. Produktionsstandorte entwickeln sich so vom reinen Energieverbraucher zum teilautarken Erzeuger.
- Rechenzentren und KI-Infrastruktur: Mit wachsendem Bedarf durch Cloud-Dienste und KI-Anwendungen steigen sowohl Stromverbrauch als auch Abwärme in Rechenzentren rapide an. Energy Towers könnten dort einen nahezu geschlossenen Energiekreislauf ermöglichen.
- Gigafactories und Elektromobilität: Der Ausbau der E-Mobilität erfordert zuverlässige, skalierbare Energieversorgung an Produktionsstandorten – ein Bereich, in dem grundlastfähige Abwärmenutzung zum echten Standortvorteil werden kann.
- Dezentrale Energiesysteme: Durch ihre modulare Bauweise lassen sich Energy Towers in bestehende Industriecluster integrieren und stärken regionale Versorgungsstrukturen bei gleichzeitig reduzierten Netzverlusten.
Energy Towers AG: Aktueller Stand und Wachstumsstrategie
Der erste industrielle Prototyp befindet sich aktuell im Aufbau. CEO Stephan Ballweg fasst die Zielsetzung prägnant zusammen: Es gehe darum, die Glühbirne wirklich zum Leuchten zu bringen – also nicht nur das Prinzip zu beweisen, sondern die kommerzielle Marktreife zu erreichen.
Die Wachstumsstrategie sieht folgende Meilensteine vor:
- Markteintritt mit Anlagen von 100 kW bis 5 MW
- Fokus zunächst auf den deutschsprachigen Markt mit seiner hohen Industriedichte und regulatorischem Druck durch das Energieeffizienzgesetz
- Internationalisierung über Lizenzmodelle – kapitaleffizient und schnell skalierbar
- 400 MW installierte Leistung bis 2030 als Zielmarke
- Börsengang für Ende 2026 geplant, um das weitere Wachstum zu finanzieren
Warum Abwärmenutzung jetzt an Bedeutung gewinnt
Das Marktumfeld für Technologien zur Abwärmenutzung war selten günstiger. Steigende Energiepreise, das deutsche Energieeffizienzgesetz und der wachsende Druck zur industriellen Dekarbonisierung schaffen einen strukturellen Nachfrageschub. Gleichzeitig sucht das Stromsystem dringend nach grundlastfähigen, emissionsfreien Alternativen zu fossilen Kraftwerken.
Die Energy Towers AG positionieren sich dabei nicht als Ersatz für Solar oder Wind, sondern als deren notwendige Ergänzung – und adressieren damit eine Lücke, die im Energiewendediskurs bislang kaum beachtet wurde.
➡️ Eine ausführliche Analyse zu Energy Towers, dem Geschäftsmodell sowie den zugrunde liegenden Marktchancen ist auf SQUAREVEST verfügbar. Hier geht es zum Beitrag: Der Archimedes-Code – Wie Energy Towers an der Energiewende arbeitet
FAQ: Strom aus Abwärme und Energy Towers
Was sind Energy Towers?
Energy Towers sind Kraftwerksanlagen, die industrielle Abwärme in kontinuierlich erzeugten Strom umwandeln. Das System nutzt aufsteigende Heißluft, die in einem vertikalen Turm Turbinen antreibt – ohne Verbrennung, ohne Emissionen, ohne zusätzlichen Brennstoff.
Kann man wirklich aus Abwärme Strom erzeugen?
Ja. Technisch geschieht das über verschiedene Verfahren, darunter den Organic Rankine Cycle, thermoelektrische Generatoren oder Auftriebssysteme wie die Energy Towers. Entscheidend ist das Temperaturniveau der Abwärme: Je höher die Temperatur – wie etwa in der Stahlindustrie – desto effizienter die Stromausbeute.
Wie effizient ist die Energy-Tower-Technologie?
Einzelne Komponenten erreichen Wirkungsgrade von bis zu 87 Prozent. Das Gesamtsystem liegt aktuell bei über 25 Prozent – gemessen von der eingespeisten Abwärme bis zur erzeugten Kilowattstunde. Da die Abwärme andernfalls vollständig verloren geht, ist jede erzeugte Einheit ein reiner Effizienzgewinn.
Wie viel Energie steckt in industrieller Abwärme?
Das Potenzial ist enorm: In Deutschland fallen jährlich über 200 Terawattstunden industrielle Abwärme an, in Europa rund 900 Terawattstunden. Ein Großteil davon entsteht in Branchen wie Stahl, Chemie und Zement – bislang weitgehend ungenutzt.
Ist die Nutzung von Abwärme wirtschaftlich rentabel?
In vielen Fällen ja. Da Abwärme als Nebenprodukt bereits entsteht, fallen keine zusätzlichen Brennstoffkosten an. Steigende Energiepreise und strengere Klimavorgaben verbessern die Wirtschaftlichkeit zusätzlich. Besonders attraktiv ist die direkte Nutzung vor Ort, da Übertragungsverluste entfallen.
Was plant die Energy Towers AG konkret?
Das Unternehmen baut aktuell den ersten industriellen Prototyp. Bis 2030 sind mehr als 400 Megawatt installierte Leistung geplant. Die internationale Skalierung soll über Lizenzmodelle erfolgen. Für Ende 2026 ist ein Börsengang vorgesehen.

















