Nach Ansicht der EZB haben sich wegen dem Brexit-Votum und dem Wahlsieg von Donald Trump die Risiken auf den Finanzmärkten erhöht. Wenn in der Eurozone Populisten aufsteigen, drohe ein Wiederausbruch der Finanzkrise.

Die Europäische Zentralbank warnt, dass sich die Risiken von „abrupten“ Korrekturen auf den globalen Märkten verstärkt haben. Der Grund dafür seien die weltweit wachsenden politischen Unsicherheiten. Diese seien eine Gefahr für die Banken, für die Stabilität und für wirtschaftliches Wachstum.
„Erhöhte geopolitische Spannungen“ und politische Unsicherheit durch die bevorstehenden Wahlen in Österreich, Italien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland hätten das Potential, einen größeren „Vertrauensschock“ auszulösen, heißt es im halbjährig vorgelegten Finanzstabilitätsbericht, den die EZB am Donnertag veröffentlichte.
In dem Bericht warnt die Zentralbank im Hinblick auf die unerwarteten politischen Ergebnisse der letzten Zeit. Das Brexit-Votum in Großbritannien und der Wahlsieg von Donald Trump in den USA hätten die Volatilität erhöht und kündigten tiefgreifende Veränderungen an, deren Auswirkungen auf die Eurozone noch schwer einzuschätzen seien.
Trump-Sieg verleiht Euro-Banken einen Schub
Zwar hat sich das Wirtschafts- und Finanzsystem der Eurozone nach Ansicht der EZB bisher als unverwüstlich erwiesen. Doch in den kommenden Monaten könnte weitere politische Instabilität den Druck auf schwache Banken und Euro-Staaten mit hohen Staatsschulden unter Druck setzen.
„Die Schwachstellen bei den Banken der Eurozone bleiben erheblich“, räumt die EZB ein. Vor dem Hintergrund schwachen wirtschaftlichen Wachstums bleibe die Banken-Profitabilität voraussichtlich gering.
Allerdings haben die Banken-Aktien seit dem Wahlsieg von Donald Trump deutlich zugelegt, was kaum jemand so erwartet hatte. Wenn dieser Trend anhält, wird dies laut EZB „leichte Unterstützung für die Profitaussichten der Eurozonen-Banken bereitstellen“.
Doch die Eurozone müsse sich des Problems der notleidenden Kredite im Umfang von mehreren hundert Milliarden Euro annehmen. Die Strukturprobleme im Bankensektor hätten ihre Ursache in den hohen Beständen an notleidenden Krediten, hohen Betriebskosten und Überkapazitäten.
Populisten gefährden Reformen
Die EZB warnt auch vor der Rückkehr einer Krise bei den hoch verschuldeten Staaten der Eurozone. Denn die Ausbreitung des Populismus verhindere Reformen. „Höhere politische Unsicherheit könnte zu einer mehr auf das eigene Land fokussierten, wachstumsfeindlichen Politik führen“, heißt es in dem Bericht.
„Dies könnte wiederum die nötigen fiskalischen und strukturellen Reformen stark verzögern und könnte im schlimmsten Fall den Druck auf die gefährdeteren Staaten neu entfachen. Die Sorgen wegen der Schuldentragfähigkeit könnten wieder aufkommen trotz der relativ günstigen Finanzmarkt-Bedingungen.“


