Jamaikas Schuldenkrise: Kann medizinisches Marihuana helfen?

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Auch 40 Jahre nach dem Tod von Bob Marley soll die Jamaika-Marke für den Wohlstand im Land sorgen. Medizinisches Marihuana hat in den USA zwar funktioniert, in Jamaika profitieren aber nur wenige von dem grünen Gold.

Schuldenkrise: Jamaikas Notfallplan ist problematisch. Kann medizinisches Marihuana Reichtum bringen? (Foto: caribbeancables)
Schuldenkrise: Jamaikas Notfallplan ist problematisch. Kann medizinisches Marihuana auch hier den Reichtum bringen? (Foto: caribbeancables)

Legalise it?

Jamaika ist Bob Marley. Jamaika ist Ganja, Gras und sorgenfreies leben. Die Marke, mit der sich das Land so gerne identifiziert, ist schon seit langem zu einer leeren Verkaufshülle geworden. Doch selbst heute ist Bob Marley vielleicht die letzte Chance für Jamaikas Schuldenkrise.

Alles was sich zu Geld machen lässt, muss ausgeschöpft werden. Inzwischen hat Jamaika nämlich 18 Milliarden Euro Schulden angehäuft. Doch die Pläne der Regierung gehen nicht so auf, wie man es sich erhofft hatte.

Die Legalisierung von Marihuana bringt Unmengen von Geld. Ob Holland, die USA oder Uruguay.  Kanada ist inzwischen das Zuhause der größten Marihuana Plantage der Welt. Und die Wirtschaft boomt seitdem unaufhaltsam.

Medizinisches Marihuana ist ein Erfolgsgarant für jede Wirtschaft! So sollte man meinen. Denn was in den, verglichen zu Jamaikas’, weitentwickelten Ökonomien funktioniert, hat viele Makel in dem mittelamerikanischen Land, schreibt der Guardian.

Medizinisches Marihuana in Jamaika

In Jamaika gibt es 180.000 Farmer. Sie bauen Tomaten, Tabak und Bananen an, doch einer Statistik zufolge haben allesamt auch ein paar Cannabis Pflanzen hinter dem Haus. Marihuana wächst überall und fast jeder ist mit dem Anbau vertraut – eigentlich ideale Voraussetzungen.

Das dachte sich auch die Regierung und legalisierte den Anbau von medizinischem Marihuana. Strafen für den Anbau wurden gestrichen und offizielle Lizenzen für die Kultivierung ausgestellt.

Dabei gibt es nur ein Problem. Um mit den hohen Standards aus anderen Ländern mithalten zu können, müssen die Bauern gewisse Anforderungen erfüllen.

Ein halber Hektar Anbaufläche zieht 300 Dollar Anmeldegebühr, 2.000 Dollar jährliche Lizenzgebühren, 1.000 Dollar Sicherheitskaution und 10.000 Dollar für einen Sicherheitszaun nach sich.

Das Resultat: bisher wurden 25 Lizenzen an lokale Bauern ausgestellt. Kaum einer kann sich diese enormen Kosten leisten, noch weniger erwarten Profite von diesen Investitionen. Große Firmen dringen in den jamaikanischen Markt ein, denn nur sie können den Anforderungen gerecht werden. Die Bauern haben keine Chance hier mitzuhalten.

Am Ziel vorbeigeschlagen?

Jamaikaner sehen sich in die Ecke gedrängt. Das alte Spiel: Unternehmen verdrängen lokale Geschäfte. Ein Bauer wollte mit den Großen mitspielen und ging zu der zuständigen Behörde für die Lizenzvergabe.

„Alles in allem kostet mich der legale Anbau eine Million Jamaika-Dollar, und das ist sehr viel hier.“ Das könne sich hier niemand leisten, so der Jamaikaner. Außerdem, so denk er laut, hätte der Plan der Regierung viele Makel.

„Wer produziert das Gras? An wen wird es verkauft und wer bekommt das Geld?“ Die Bevölkerung in Jamaika spricht inzwischen schon von einer Angst – die Angst vor der Rückkehr kolonialer Zeiten, bei denen selbst die Regierung von großen Unternehmen ausgespielt wird.