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Erdogan sieht sich als Eroberer für den Islam
Veröffentlicht · Aktualisiert · 3 Min. Lesezeit
Der türkische Präsident Erdogan hat die muslimischen Eroberer seit Mohammed ganz offen als seine Vorbilder bezeichnet. Er will den Islam endlich nach Europa tragen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist ein bekennender Verehrer des Osmanischen Reiches. Dieses letzte islamische Kalifat hat Massaker, Vergewaltigungen und Versklavung über die unterjochten Länder gebracht.
Bei einer öffentlichen Feier des Jahrestages der osmanischen Eroberung von Konstantinopel (heute Istanbul) im Jahr 1453 redete Erdogan am 30. Mail letzten Jahres vor zwei Millionen Türken wie ein osmanischer Sultan.
„In Jerusalem die Flagge des Islam hissen“
Laut einem Bericht der türkischen Tageszeitung Yeni Asır lobte er das „Hissen der Flagge des Islam in Jerusalem“ und das „Einprägen des Stempels des Islam auf der Al-Aqsa-Moschee“, wo zuvor eine christliche Kirche gestanden hatte. Doch der türkische Präsident belässt es nicht beim Träumen über die Vergangenheit.
Erdogan arbeitet auch selbst aktiv an der Islamisierung Europas. In seiner Rede zur Jahresfeier der osmanischen Eroberung Konstantinopels diskutiert er die Frage, was Eroberung bedeutet. Laut einer Übersetzung des türkischen Journalisten Uzay Bulut sagte der türkische Präsident unter anderem:
„Eroberung heißt Hijrah [Ausdehnung des Islam durch Emigration nach dem Vorbild von Mohammed, dem Gründer des Islam, und seinen Jüngern von Mekka nach Medina]. Eroberung ist Mekka.“
„Eroberung heißt Jerusalem, als der Prophet Omar den Stempel des Islam auf die Al-Aqsa-Moschee prägte, unsere erste Qibla [die Richtung, in der ein Muslim fünfmal am Tag betet], wobei er alle Religionen respektierte, darunter Christen und Juden.“
„Eroberung heißt Al-Andalus [muslimisches Spanien]. Es heißt, die schönste Architektur, Literatur und Kultur der Welt zu schaffen wie in Córdoba und Granada.“
„Eroberung heißt Salah al-Din al-Ayubbi. [Saladin eroberte im Jahr 1187 Jerusalem.] Es heißt, die Flagge des Islam wieder in Jerusalem zu hissen.“
Erdogan hat Wien im Blick
„Eroberung heißt Alp Arslan [der zweite Sultan des mittelalterlichen muslimischen Seljuk-Reichs, das Anatolien eroberte].“
„Eroberung heißt, die Türen von Anatolien für dieses gesegnete Volk bis nach Wien zu öffnen. Eroberung heißt Osman Ghazi [der erste osmanische Sultan].
Vorbild ist Sultan Mehmed der Eroberer
„Und natürlich heißt Eroberung Sultan Mehmed der Eroberer. Es bedeutet, im Alter von 21 Jahren Istanbul zu nehmen, die berühmteste Stadt der Welt, nachdem das tausendjährige Byzanz zerstört war.“
„Eroberung heißt, den Mut, die Beharrlichkeit und die Klugheit zu haben, der ganzen Welt zu trotzen, selbst in den schwierigsten Zeiten.“
„Eroberung heißt 1994 [als Erdogan zum Bürgermeister von Istanbul gewählt wurde]. Er heißt, Istanbul zu dienen und dem Vermächtnis von Sultan Mehmed dem Eroberer zu dienen.“
Erdogans Vorbild Sultan Mehmed II war der siebte Sultan des Osmanischen Reiches. Am 29. Mai 1453 eroberte er Konstantinopel und besiegelte damit das Ende des Byzantinischen Reiches. Doch auf welche Weise will der türkische Präsident dem Eroberer aus dem 15. Jahrhundert nacheifern?
Die Antwort auf diese Frage steckt womöglich in Erdogans Begeisterung für die brutalen Eroberungsfeldzüge der osmanischen Sultane im Nahen Osten und bis vor die Tore Wiens. Oder in seiner Begeisterung für die Idee, „die Flagge des Islam wieder in Jerusalem zu hissen“.


