Platzt die Blase bei Schweizer Ferienimmobilien?

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Nach dem Ausbruch der Schuldenkrise im Herbst 2008 waren Schweizer Ferienimmobilien massiv immer teurer geworden. Doch zuletzt sind die Preise für Urlaubsdomizile in der gesamten Schweiz deutlich gefallen.

Blase Schweizer Ferienimmobilien
„Für Ausnahmeimmobilien lassen sich in St. Moritz Spitzenpreise von bis zu 70 Millionen Franken, umgerechnet rund 63,8 Millionen Euro, erzielen“, sagt Thomas Frigo, Geschäftsführer Wohnimmobilien Schweiz bei der Hamburger Makler-Franchisegesellschaft Engel & Völkers.

In den Schweizer Nobelurlaubsorten sinken die Preise für Ferienimmobilien. Dies zeigt der entsprechende Index der britischen Maklergesellschaft Knight Frank. Demnach sind im Verlauf der beiden vergangenen Jahre die Preise für Schweizer Ferienimmobilien deutlich gesunken:

  • in Verbier um insgesamt 4,5 Prozent,
  • in St. Moritz um insgesamt 6,5 Prozent,
  • in Crans-Montana um insgesamt 6 Prozent und
  • in Davos um insgesamt 3 Prozent.

„Im zweiten Quartal dieses Jahres haben in den touristischen Orten der Schweiz die Transaktionspreise von Zweitwohnsitzen im Schnitt um 3,8 Prozent nachgegeben“, zitiert die Welt Patrick Schnorf von der Zürcher Immobilienberatungsgesellschaft Wüest & Partner.

Massive Preisanstiege nach der Finanzkrise

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Spätherbst 2008 waren die Immobilienpreise in der Schweiz nur gestiegen. Denn vermögende Privatanleger aus Europa und Nordamerika waren mit ihrem Kapital in die Krisenwährung Franken geflüchtet und hatten sich vor allem auf Schweizer Immobilien gestürzt.

In der Folge stiegen einerseits der Kurs des Franken von damals 0,60 Euro auf heute 0,91 Euro und andererseits die Preise für Eigenheime und Eigentumswohnungen in dem Alpenland. Insbesondere in den touristisch geprägten Kantonen, wo die begehrtesten Urlaubsdomizile zu finden sind, gingen die Immobilienpreise rasant in die Höhe.

Laut einer aktuellen Studie von Wüest & Partner haben sich Eigentumswohnungen im Kanton Graubünden im Verlauf der letzten zehn Jahre um 40,8 Prozent verteuert, im Wallis um 47 Prozent und im Tessin sogar um 58,8 Prozent.

Um einen Ausverkauf von Grund und Boden an Ausländer zu verhindern, haben die Kantone die Zahl der Chalets und Urlaubswohnungen begrenzt, die auch von Nichtschweizer erworben werden dürfen. Die Preise für diese Ferienimmobilien haben seit 2008 zum Teil um mehr als 100 Prozent zugelegt.

Daher haben jene Deutschen, die gleich zu Beginn der Finanzkrise in Schweizer Immobilien investierten, zumindest auf dem Papier hohe Gewinne verzeichnet. So ergeben etwa eine Verdoppelung des Immobilienwertes plus rund 50 Prozent Währungsgewinn insgesamt eine Verdreifachung des eingesetzten Euro-Kapitals.

Platzt die Blase bei Schweizer Ferienimmobilien?

Wegen solcher Renditen von 200 Prozent wollen nun offenbar einige ausländische Eigentümer ihre Chalets und Luxusapartments in den Schweizer Ferienregionen wieder veräußern. Allerdings gibt es heute deutlich weniger potenzielle Käufer als noch vor einigen Jahren. Dies erklärt den einsetzenden Preisrückgang.

Infolge der Verteuerung des Franken sind Ferienobjekte in der Schweiz heute viel teurer als in andere Staaten Europas. Dies zeigt eindrucksvoll ein Vergleich von Chalets erster Güte in dem Alpenland selbst und in den angrenzenden französischen Bergregionen.

„In Gstaad und St. Moritz rangieren die Quadratmeterpreise für Luxusimmobilien zwischen umgerechnet 23.000 und 31.000 Euro“, sagt Knight-Frank-Researcherin Kate Everett-Allen. In den französischen Topskigebieten wie Chamonix und St. Gervais hingegen sind es nur 7.000 bis 10.000 Euro, also weniger als ein Drittel.

Auch Urlaubsdomizilen im mittleren Preisniveau sind heute außerhalb der Schweiz deutlich billiger. Dies gilt insbesondere für Italien und Spanien, wo die Preise für Ferienimmobilien seit 2008 um bis zu 60 Prozent gesunken sind. Denn infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise müssen dort viele einheimische Besitzer ihre Ferienobjekte verkaufen.

Optimisten erwarten zwar keinen wiedereinsetzenden Preisanstieg bei Schweizer Ferienimmobilien. Sie gehen aber davon aus, dass der Preisrückgang seit zwei Jahren nur vorübergehend ist. Denn in einigen Nobel-Urlaubsorten sind die Marktwerte in den letzten zwölf Monaten nicht mehr ganz so stark zurückgegangen wie im Jahr zuvor.

„Für Ausnahmeimmobilien lassen sich in St. Moritz Spitzenpreise von bis zu 70 Millionen Franken, umgerechnet rund 63,8 Millionen Euro, erzielen“, sagt Thomas Frigo, Geschäftsführer Wohnimmobilien Schweiz bei der Hamburger Makler-Franchisegesellschaft Engel & Völkers. Der gesamte Schweizer Immobilienmarkt habe sich „auf einem stabilen Niveau eingependelt“.

Voraussichtlich werden die Preise für Schweizer Wohnimmobilien dieses Jahr erstmals seit 1999 landesweit zurückgehen. Der von der Beratungsgesellschaft IAZI ermittelte Swiss Real Estate Offer Index zeigt einen Rückgang der Angebotspreise für Eigentumswohnungen allein im Juli und August um durchschnittlich zwei Prozent, für Eigenheime um 1,2 Prozent.

Gegen einen Crash auf dem Schweizer Markt für Ferienimmobilien spricht die zu Beginn dieses Jahres in Kraft getretene Zweitwohnungsverordnung. Danach dürfen die Kommunen nur noch in eng begrenztem Umfang den Bau weiterer Urlaubsdomizile genehmigen. Dadurch wird das Angebot verknappt.

Um dieser Verordnung zuvorzukommen, haben Projektentwickler in den beiden Jahren zuvor noch zahlreiche neue Apartmentanlagen in die Höhe gezogen. Das drücke nun vorerst zusätzlich auf die Preise, sagt Wüest-&-Partner-Experte Patrick Schnorf. Wegen des kurzfristig stärkeren Angebots dürften Ferienhäuser und -wohnungen zumindest vorerst noch billiger werden.