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Schweinefleisch verschwindet aus Schulen und Kitas

Thomas Feldhaus

Veröffentlicht · Aktualisiert · 3 Min. Lesezeit

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Schweinefleisch verschwindet aus deutschen Schulen und Kitas
Einst waren Wiener Würstchen und Schnitzel bei deutsche Kindern sehr beliebt. (Foto: Nick Saltmarsh)
Schweinefleisch verschwindet aus deutschen Schulen und Kitas
Früher waren Wiener Würstchen und Schweineschnitzel bei Kindern in Deutschland sehr beliebt. (Foto: Nick Saltmarsh)

In deutschen Kitas und Schulen verschwindet das Schweinefleisch vom Speiseplan. Einige Städte haben es bereits ganz verbannt. In anderen Städten, etwa in Berlin, sinkt die Nachfrage rapide. Denn viele Eltern sind heute Muslime oder sie halten es schlicht für ungesund.

„In den nächsten Jahren wird das Schweinefleisch immer weiter von den Speiseplänen in Kitas und Schulen verschwinden“, sagte die Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Ulrike Arens-Azevêdo, der WAZ. Der Grund dafür seien religiöse Verbote und moderne Ernährungsstandards.

Die gesamte Herstellung frei von Schweinefleisch

Der in Berlin ansässige Cateringbetrieb Luna bietet überhaupt keine Gerichte mit Schweinefleisch mehr an. Geschäftsführer Rolf Hoppe, der auch Vorsitzender des Verbands Berliner Schul-Caterer ist, sieht den Verzicht seines Unternehmens auf Schweinefleisch als einen Marktvorteil.

„Muslimische Schüler können sich darauf verlassen, dass auch unsere Produktion absolut frei von Schweinefleisch ist“, sagt er. Die Zahl der Schüler mit muslimischen Eltern sei gestiegen, und außerdem sei die Qualität von konventionellem Schweinefleisch fraglich.

Immer mehr Kinder von Muslimen

„Der Anteil an Schweinefleisch ist in den letzten Jahren immer weniger geworden“, sagt Rolf Hoppe über die Berliner Speisepläne. Die Hamburger Ernährungsexpertin und DGE-Vizepräsidentin Ulrike Arens-Azevêdo sagt: „Die Caterer machen ihr Angebot inzwischen häufig ganz ohne Schweinefleisch.“

Und auch an den 4.000 Ganztagsschulen in NRW wird immer weniger Schweinefleisch angeboten. „Das gilt besonders für das Ruhrgebiet, wo es immer mehr muslimische Kinder gibt“, sagt Ursula Tenfelde-Weber, Leiterin der Vernetzungsstelle Schulverpflegung in Düsseldorf.

Dass in ganz Deutschland das Schweinefleisch von den Speiseplänen der Schulen und Kitas verschwindet, hat aber nicht nur mit der wachsenden Zahl von Schülern mit muslimischen Eltern zu tun, sondern auch mit den veränderten Ernährungsstandards.

Weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für das Mittagessen in Kitas und Schulen maximal zwei Fleischgerichte pro Woche, wovon eins Geflügel sein soll. Das heißt, dass Kitas und Schulen, die sich an diese Vorgaben halten, höchstens viermal im Monat Schweinefleisch servieren.

In Deutschland essen mittlerweile mehr als 2 Millionen Kinder mittags in der Kita. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Durch den Ausbau der Ganztagsschulen werden noch einmal mehrere Millionen Schüler dazukommen.

Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, will die DGE-Standards bundesweit etablieren. Es soll weniger Fleisch und stattdessen mehr Obst und Gemüse geben. Immerhin sagt der Minister auch: „Wir wollen niemandem sein Wurstbrot wegnehmen und auch sonst nicht vorschreiben, was zu Hause auf den Tisch kommt.“

80 Prozent der deutschen Kitas essen muslimisch

Laut einer aktuellen DGE-Umfrage unter rund 1.400 deutschen Kitas gaben fast 80 Prozent an, dass sie ausdrücklich auf muslimische Speisevorschriften achten. Das nordrhein-westfälische Bielefeld gilt dabei als Pionier. Hier verzichten die städtischen Kitas schon seit fast 15 Jahren ganz auf Schweinefleisch.

In Berlin richten die Caterer ihr Angebot spezifisch auf die jeweilige Schule aus. Wenn eine Schule wegen der muslimischen Eltern den Verzicht auf Schweinefleisch wünscht, dann muss sich der Caterer danach richten. Ein vegetarisches Gericht muss es laut Anforderungen des Berliner Senats in jedem Fall geben.

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