
In Frankreich tobt eine öffentliche Debatte über Islamic Fashion – Mode nach islamischen Glaubensregeln. Nachdem große Modeketten muslimische Frauen als Zielgruppe für ihre Produkte entdeckt haben, hagelt es heftige Kritik aus Paris. Pierre Bergé, der langjährige Partner des verstorbenen Modeschöpfers Yves Saint Laurent und Mitbegründer des gleichnamigen Modehauses, spricht von einem „Skandal“ und Laurence Rossignol, französische Ministerin für Frauenrechte, vergleicht die Produkte sogar mit freiwilliger Versklavung.
Islamic Fashion: Mode für weibliche Muslime
Islamic Fashion bezeichnet den Trend, Mode gezielt für gläubige Muslime zu schaffen. Das Modehaus Marks & Spencer bietet muslimischen Frauen neuerdings einen Burkini an. Dieser Badeanzug für streng gläubige Muslime bedeckt den ganzen Körper mit Ausnahme von Gesicht, Händen und Füßen. Die Modekette H&M wirbt mit muslimischen Models und dem Slogan „Verpasse nicht den Film, der alle Regeln bricht.“ Andere Modefirmen wie Dolce & Gabbana und Mango ziehen nach und bieten ebenfalls islamische Modeprodukte an – vom Abaya, einem schwarzen mantelartigen Gewand aus Schafswolle, bis zum Hidschab-Kopftuch.
In Frankreich, wo europaweit die meisten Muslime leben, ist der Laizismus, also die strikte Trennung von Religion und Politik, fester Bestandteil der Tradition. Im Jahr 2010 verbot die Regierung das öffentliche Tragen der Burka. Der neue Modetrend sorgte dementsprechend für heftige Kritik. Die französische Familie, Kinder und Frauenrechte, die Sozialistin Laurence Rossignol, hat sich über die Firmen empört, die islamische Mode anbieten. „Unverantwortlich“ nannte die Ministerin das Verhalten der Modefirmen in einem Interview mit dem französischen Sender BFMTV. „Sie entziehen sich ihrer sozialen Verantwortung und werben in gewisser Weise für ein Einsperren des weiblichen Körpers“.
Französische Ministerin fürchtet „Versklavung der Frau“
Als der Journalist einwendete, dass einige weibliche Muslime das Kopftuch freiwillig tragen würden, konterte Rossignol: „Es gab auch amerikanische Neger, die für die Sklaverei waren.“ Daraufhin brach ein Sturm der Empörung über die 58-jährige Sozialistin herein. Nicht nur wegen des Wortes „Neger“, für das sich Rossignol schnell entschuldigte, sondern wegen der angeblichen „Stigmatisierung“ muslimischer Frauen. Der Präsident der Beobachtungsstelle für Islamfeindlichkeit in Frankreich, Abdallah Zekr, warf der Ministerin sogar vor, mit solchen Aussagen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in die Hände zu spielen. Binnen weniger Stunden forderten 20.000 Franzosen in einer Petition den Rücktritt der Ministerin.
Unterstützung erhielt Rossignol dagegen aus der französischen Modebranche. „Ich finde das skandalös“, sagte der 85-jährige Bergé gegenüber dem Radiosender Europe1. „Ich habe immer geglaubt, dass ein Modeschöpfer dazu da sei, Frauen schöner zu machen, ihnen Freiheit zu geben, und nicht Komplizen dieser Diktatur zu sein, die Frauen dazu zwingt, sich zu verstecken.“ An die Modefirmen gerichtet fügte Bergé hinzu: „Verzichtet auf Geld, habt Überzeugungen!“. Auch die bekannte französische Modeschöpferin Agnès Troublé warnte davor, solche Bekleidung zu „verharmlosen“.
In Deutschland trifft der neue Modetrend ebenfalls auf wenig Verständnis. Die Kölner Islamexpertin Lale Akgün kritisierte gegenüber der Welt, dass H&M zwar Mode-Normen aufheben und Freiheit propagieren wolle. „Aber das islamische Kopftuch ist gerade das Gegenteil davon. Der Hidschab ist in den Augen der orthodoxen Muslime kein Modeaccessoire, sondern eine religiöse Pflicht.“


