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Günter Döring: Antizyklisch investieren in die Ölbranche
Veröffentlicht · Aktualisiert · 6 Min. Lesezeit
„Die Mineralölbranche ist hochprofitabel“, sagt Günter Döring, Vorstand des Explorationsunternehmen Oil & Gas Invest AG (OGI AG). Trotz oder gerade wegen des niedrigen Ölpreises habe die Mineralölbranche eine vielversprechende Zukunft. Wer gegen den Trend investiert, macht oft die höheren Renditen.

FerryHouse sprach mit Günter Döring auch über die Problem der OGI AG mit der BaFin. Die Behörde hatte an der Zulässigkeit von OGI-Nachrangdarlehen gezweifelt, sodass die Frankfurter Mineralölprofis im Juni 2015 einfach einen Großteil der Anleger auszahlten und ein leicht verändertes Investmentprodukt auflegten.
FerryHouse: Herr Döring, die OGI AG hatte Mitte des Jahres Probleme mit der Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen. Die BaFin hat das von Ihnen angebotene Produkt als „erlaubnispflichtiges Einlagengeschäft“ eingestuft und die OGI AG zur Rückabwicklung der Nachrangdarlehen aufgefordert. Konnten Sie die Probleme lösen?
Günter Döring: Ihre Darstellung ist fast korrekt. Die BaFin hatte bemängelt, dass unser ursprünglich aufgelegtes qualifiziertes Nachrangdarlehen eine persönliche Rückzahlungsgarantie unseres damaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Wagentrotz beinhaltete. Die BaFin hat jedoch keinerlei Zwangsmaßnahmen gegen die OGI AG eingeleitet, sondern uns nur einen Hinweis erteilt, dass solche Rückzahlungsversprechen ohne eine Bankerlaubnis nicht gestattet seien.
Wir haben dies aus unterschiedlichen rechtlichen Gründen anders bewertet. Um langwierige Auseinandersetzungen mit den Aufsichtsbehörden zu vermeiden, haben wir uns jedoch entschieden die Anleger auszuzahlen, die von der Problematik betroffen waren und unser Angebot zu überarbeiten. Selbstverständlich haben wir den Investoren nicht nur ihre Einlage zurückgezahlt, sondern auch Zinsen und Agio in voller Höhe ausgeschüttet.
FerryHouse: In der Presse kamen Sie trotz der schnellen Rückabwicklung nicht besonders glimpflich davon.
Günter Döring: Das ist leider wahr. Insbesondere Test.de und die WirtschaftsWoche haben die Angelegenheit mit der BaFin anfangs genüsslich ausgeschlachtet. Dass wir sämtliche Konflikte gelöst haben, schnell und zeitnah allen Forderungen der BaFin nachgekommen sind, das war den genannten Medien hingegen nicht einmal eine kleine Meldung wert. Wahrscheinlich war der Nachrichtenwert nicht mehr hoch genug. Vermeintliche Skandale verkaufen sich halt besser. Ich möchte mich an dieser Stelle aber nicht über Journalisten beklagen, die sicherlich bemüht sind, gute Arbeit zu leisten.
FerryHouse: Wie haben Ihre Anleger reagiert?
Günter Döring: Einige unserer Investoren waren zwischenzeitlich beunruhigt. Mit transparenter Kommunikation und einem schnellen Rückzahlungsverfahren konnten wir aber das Vertrauen unserer Kunden und auch des Marktes zurückgewinnen. Ein großer Teil unserer Investoren steht weiterhin hinter dem Konzept der OGI AG und hat in unser neues Angebot reinvestiert. Auch die Gründungsgesellschafter sind alle noch an Bord. Und die Nachfrage nach unseren renditestarken Nachrangdarlehen ist ungebrochen hoch.
FerryHouse: Obwohl die persönliche Rückzahlungsgarantie von Herrn Wagentrotz weggefallen ist?
Günter Döring: Ja, und das ist auch verständlich. Letztendlich investiert doch kein Mensch nur, weil ihm versprochen wird, dass jemand anderes für eventuelle Verluste einsteht, sondern weil er an ein Konzept und dessen Erfolg glaubt.
Bei der OGI AG bekommen Sie nicht nur ein attraktives Konzept, sondern auch ein hochprofessionelles Team geboten, welches alles in seiner Kraft stehende tut und unter enormen Anstrengungen daran arbeitet, optimale Ergebnisse für das Unternehmen und seine Investoren zu liefern. Und genau das, wissen unsere Anleger zu schätzen.
FerryHouse: Der Ölpreis kennt seit rund 15 Monaten nur eine Richtung: abwärts. In diesem Zeitraum ist der Marktpreis um mehr als 50 Prozent gefallen. Trotzdem plant die OGI AG unter solchen Rahmenbedingungen neue Explorationen und verspricht zweistellige Renditen. Ist das nicht etwas über-ambitioniert, wenn nicht sogar unternehmerischer Selbstmord?
Günter Döring: Ganz im Gegenteil. Sie müssen bei Explorationen immer in die Zukunft denken, da wir ja nicht morgen mit der Förderung und dem Abverkauf des produzierten Rohöls beginnen.
Fast alle Experten sind sich einig, dass der Ölpreis jetzt die Talsohle erreicht hat. Die Internationale Energieagentur hat gerade erst prognostiziert, dass der Ölpreis bis 2020 auf 80 US-Dollar steigen wird. Heute stehen wir bei knapp unter 50 US-Dollar je Barrel – dem Niveau von 2009!
Wir planen 2016 die ersten Bohrungen abgeschlossen zu haben und mit der Förderung beginnen zu können. In den Jahren 2017 bis 2019 wird die Fördermenge dann schrittweise erhöht, indem weitere Bohrlöcher auf unseren Claims förderbar gemacht werden. Mit anderen Worten: Unsere Förderung erhöht sich genau dann, wenn alle Experten mit steigenden Preisen rechnen.
FerryHouse: Das klingt nach einer riskanten Wette auf die Zukunft.
Günter Döring: Börsianer würden bei unserem Ansatz von antizyklischen Investments reden, also genau der Art von Strategie mit denen die großen Player seit Jahrzehnten die höchsten Renditen erzielen.
Um ein Beispiel zu nennen: Immobilien in Berlin waren bis vor zehn Jahren zu Spottpreisen zu haben. Sie zahlten rund 15 Netto-Jahres-Kaltmieten beim Ankauf. Heute liegen Bestandsimmobilien bei einem Preis von 20 bis 25 Netto-Jahres-Kaltmieten.
Und jetzt frage ich Sie, wer der smartere Investor war. Derjenige, der gegen den allgemeinen Trend vor fünf oder zehn Jahren eingestiegen ist und sich heute über einen Wertsteigerung von 80 bis 100 Prozent oder noch mehr auf seinen Immobilienbestand freuen darf, oder derjenige, der heute teuer kauft, in der Hoffnung, dass der Trend anhält?
FerryHouse: Der Trend in der Ölbranche geht allerdings in eine andere Richtung. Sogar die großen Mineralölkonzerne haben ihre Investitionen zurückgefahren. Viele Projekte kleinerer Anbieter wurden bereits abgewickelt.
Günter Döring: Einige kleine Anbieter wurden vom fallenden Ölpreis kalt erwischt und müssen nun aufgeben. Die meisten Projekte werden allerdings nur verschoben, insbesondere diejenigen, die schon förderbereit sind. Dies geschieht schlicht und einfach, weil sich beim aktuellen Preis die Aufnahme der Förderung bei einigen Projekten kaum oder gar nicht mehr rechnet.
Dieser Trend ist übrigens eine Chance für kleine, effiziente Anbieter, wie die OGI AG. Je weniger heute investiert wird, desto besser stehen die Chancen, dass es in den nächsten Jahren zu Förderengpässen kommt, welche sich grundsätzlich positiv auf die Preisentwicklung auswirken.
Und beim aktuellen Ölpreis rechnen sich viele dieser Projekte immer noch sehr gut. Die Produktionskosten auf guten konventionellen Onshore-Feldern, wie die der OGI AG, liegen nur bei rund 26 US-Dollar. Darin sind nicht nur die Kosten des gesamten Upstream-Sektors enthalten, sondern auch die vollständigen Finanzierungskosten einschließlich der Zinsen. Selbst beim aktuellen Preisniveau sind unsere Projekte also noch hochrentabel.
Zum Vergleich: Große Offshore-Projekte arbeiten mit Förderkosten von mehr als 60 US-Dollar pro Barrel – und rechnen sich derzeit sicherlich nicht sonderlich. Aber das ist nicht unser Problem, sondern eines von ExxonMobil, Chevron und Co.
FerryHouse: Die großen Ölkonzerne ächzen derzeit unter den Belastungen und massiven Gewinneinbrüchen…
Günter Döring: …und verdienen trotzdem jedes Jahr Milliarden. Chevron hat im letzten Quartal, trotz eines Gewinneinbruchs von 60 Prozent, mehr als zwei Milliarden US-Dollar verdient. Das entspricht einem hochgerechneten Jahresgewinn von mehr als acht Milliarden US-Dollar. ExxonMobil verdiente im selben Quartal, trotz massiver Gewinneinbrüche, rund 4,2 Milliarden US-Dollar, mehr als Alphabet, die Holding von Google, im selben Zeitraum verdient hat.
Wie Sie es auch drehen und wenden wollen: die Mineralölbranche ist noch immer hochprofitabel! Und genau deshalb sind wir und unsere Anleger fest vom Erfolg der OGI AG überzeugt.
FerryHouse: Herr Döring, vielen Dank für das Gespräch.


