Vier Banden beherrschen die deutsche Rocker-Szene

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Screenshot: Ein Hells Angel unter Brüdern
Screenshot: Ein Hells Angel unter Brüdern

In Deutschland gibt es knapp 9.000 Mitglieder von Rocker-Banden. Die meisten von ihnen sind in den vier großen Banden organisiert: Hells Angels, Bandidos, Gremium und Outlaws. Laut einem Bericht des BKA werden jedes Jahr hunderte Ermittlungsverfahren gegen organisierte Rocker geführt, fast die Hälfte davon wegen Gewaltdelikten.

Seit Jahren beobachten die deutschen Ermittlungsbehörden mehrere kriminelle Rocker-Gangs wie die „Hells Angels“. Sie stehen in Zusammenhang mit Drogenhandel, Gewalt und sogar Morden. Ein internes Papier des Bundeskriminalamtes (BKA) beschreibt detailliert, wie gefährlich die Rocker inzwischen geworden sind.

Im Jahr 2013 wurden 337 Ermittlungsverfahren gegen 858 Tatverdächtige geführt, zitiert die Bild-Zeitung aus dem vertraulichen BKA-Papier. Fast die Hälfte der Ermittlungsverfahren hatten Gewaltdelikte zum Hintergrund, etwa 16 Prozent einen Verdacht auf Drogenhandel.

Insgesamt 146 Ermittlungsverfahren richteten sich gegen Mitglieder der Rockerbande „Hells Angels“ und deren Unterstützer. Mit 127 Verfahren fast genauso viele Verfahren führten die Behörden gegen Angehörige der „Bandidos“. Hintergrund des BKA-Papiers waren einzelne Clubverbote oder Auflösungen.

Das Papier verzeichnet für das Jahr 2013 insgesamt 633 Clubs, die dem Bereich Rocker-Kriminalität zugeordnet werden. Sie haben zusammen 8.681 Mitglieder. Im Vergleich zum Vorjahr war dies ein Rückgang um fast 1.000 Personen. „Der Trend zeigt aber wieder deutlich nach oben, mittlerweile dürften wir an der 10.000-Marke kratzen“, sagte ein Beamter.

Der Großteil der Rocker ist in den vier großen Clubs organisiert: Die „Hells Angels“, die „Bandidos“, „Gremium“ und die „Outlaws“ haben zusammen 5.101 Mitglieder. Drei Viertel der Rocker sind in Clubs in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz organisiert.

Der bekannteste deutsche „Hells Angel“ ist Frank Hanebuth. Er sitzt derzeit in Spanien in Untersuchungshaft. Vor fast zwei Jahren wurde er auf Mallorca im Rahmen der Operation „Casablanca“ zusammen mit 20 Komplizen festgenommen. Der Vorwurf gegen den Ex-Chef des „Charter“ Hannover lautet auf Menschenhandel, Drogenhandel und Förderung der Prostitution.

Die „Hells Angels“ wurden im Jahr 1948 in Kalifornien gegründet. Sie gelten als der größte und gefährlichste Rocker-Club der Welt. Laut dem BKA-Papier haben sie allein in Deutschland 1.397 Mitglieder in 77 Ablegern.

Hinzu kommen 114 sogenannte „Charter“ mit 1.234 Mitgliedern, von denen die Hälfte vorbestraft sein soll. Die Zahlen des BKA dürften aber zuletzt noch gestiegen sein. Denn türkische Ableger rekrutieren seit einiger Zeit neue Mitglieder in Deutschland.

„Für uns ist das bundesweite Vereinsverbot der bekannten kriminellen Rocker-Clubs eine zentrale Forderung“, sagt André Schulz, Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK). Denn die Vereinszwecke seien nachweislich nur vorgeschoben. Daher hält es der BDK-Chef für wichtig, dass die generelle Eingruppierung als kriminelle Vereinigung erfolgt.

Laut Informationen der Bild-Zeitung sollen im noch nicht fertiggestellten Lagebericht 2014 auch rockerähnliche Gruppierungen wie die „United Tribuns“ auftauchen. Da diese Gruppen gerade in den letzten zwei Jahren starken Zuwachs erhalten haben, werden die neuen Zahlen noch dramatischer ausfallen.

1 KOMMENTAR

  1. Hunderte Ermittlungsverfahren. Okay, aber wie viele Urteile? Man ist ja wohl unschuldig, bis eine Schuld bewiesen ist, oder?

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