Im ersten Halbjahr haben die Hersteller von Tresoren zweistellige Wachstumszahlen verzeichnet. Die Sparer lagern lieber Bargeld im eigenen Safe, als ihr Geld den Banken anzuvertrauen.

Deutsche Sparer heben ihr Geld von den Banken ab und lagern es zuhause im eigenen Safe. Sie haben das Vertrauen in die Banken verloren. Zudem erhält der Sparer kaum noch Zinsen als Ausgleich für das Risiko, sein Geld einer Bank anzuvertrauen. Ganz im Gegenteil führen einige Banken bereits Strafzinsen auf Guthaben ein.
Geschäft mit Tresoren boomt
Diese Entwicklung treibt die Nachfrage nach Tresoren, berichtet das Wall Street Journal. Burg-Waechter KG, Deutschlands größter Tresorhersteller, verzeichnete im ersten Halbjahr ein Umsatzplus von 25 Prozent. Als Grund nennt Verkaufschef Dietmar Schake „deutlich höhere Nachfrage nach Tresoren durch Privatkunden, vor allem aus Deutschland“.
Die Konkurrenten Format Tresorbau GmbH und Hartmann Tresore AG berichten ebenfalls eine Zunahme bei den Umsätzen in Deutschland im zweistelligen Prozentbereich.
„Die Tresorhersteller arbeiten am Limit“, sagt Thies Hartmann, Geschäftsführer der Hamburger Stahltresor GmbH. Das Familienunternehmen verkauft in Hamburg Tresore und ist seit 2014 um 25 Prozent gewachsen. Die Lieferungen der Tresorhersteller brauchen heute länger, sagt Thies Hartmann. Manche Hersteller arbeiten in drei Schichten.
Bargeld im eigenen Tresor
Die Dagmar Metzger (53) aus München sagt: „Sobald die Banken mir sagen, dass ich Zinsen auf mein Guthaben zahlen muss, dann nehme ich meine 50.000 Euro oder so und tue sie unter mein Kopfkissen. Oder ich kaufe einen Safe und tue das Geld da rein.“
Außerdem denkt die Unternehmerin und Wildtierjägerin darüber nach, ob sie das Bargeld bei ihren Gewehren in ihrem Waffenschrank lagert. Dieser verfügt über sichere Schlösser. Viele Deutsche haben heute ähnliche Pläne.
Geld im Bankschließfach
„Wenn man sein Geld in ein Bankschließfach tut, dann merkt das jeder und man muss Gebühren bezahlen“, sagt Rentner Wiese aus Hamburg. Sein Safe ist etwa doppelt so groß wie ein Hotelsafe, sagt er.
Auch Banken und andere Finanzunternehmen lagern ihr Bargeld verstärkt in eigenen Tresoren. Der Rückversicherer Munich Re AG teilte kürzlich mit, dass er mehr als 20 Millionen Euro Bargeld in einem Safe vorhält, zusammen mit Goldbarren, die das Unternehmen bereits vor zwei Jahren eingelagert hatte.
Deutsche bevorzugen Bargeld
Nach Angaben der Deutschen Bundesbank werden rund 80 Prozent des Umsatzes im deutschen Einzelhandel mit Bargeld abgewickelt. Das ist fast doppelt so viel wie in den USA, wo nur 46 Prozent in Cash abgewickelt werden.
Deutsche führen auch mehr Bargeld in ihren Portemonnaies mit sich und gehen öfter zum Geldautomaten als Amerikaner. Sie heben dort durchschnittlich Bargeld im Wert von 256 Dollar ab. Die Amerikaner heben nur durchschnittlich 103 Dollar ab.


