Ratingagentur Moody’s warnt vor Pleitewelle der Lebensversicherer

13
Die Zukunft der Lebensversicherer ist düster und ungewiss, so die Ratingagentur Moody's. (Foto: flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/h-k-d/4765398926/" target="_blank">Hartwig HKD</a>)
Die Zukunft der Lebensversicherer ist düster und ungewiss, so die Ratingagentur Moody’s. (Foto: flickr/Hartwig HKD)

Die Lebensversicherung ist neben der Immobilie immer noch das beliebste Mittel der Deutschen, um für das Alter vorzusorgen. Insgesamt 90 Millionen Lebensversicherungen wurden hierzulande abgeschlossen und fast jeder Deutsche verfügt über eine Police. Doch die Lebensversicherer sehen stürmischen Zeiten entgegen. Die anhaltend niedrigen Zinsen zerstören ihr Geschäftsmodell. Betroffen sind dadurch auch viele Kunden, die auf Lebensversicherungen als Altersvorsorge gesetzt haben. Denn die großen Versicherer wie Allianz, Ergo und Axa können die einst versprochenen Garantien zum Teil nicht mehr erfüllen.

Nun warnt die amerikanische Ratingagentur Moody’s erneut vor einer drohenden Pleitewelle der Lebensversicherer, wie das Handelsblatt berichtet. In eine Studie untersuchte Moody’s die Auswirkungen der niedrigen Zinsen und zieht in den nächsten eineinhalb Jahren harte Zeiten auf die Versicherungsbranche zukommen. Die niedrigen Zinsen würden die Gewinne der rund 90 Versicherungskonzerne erheblich schmälern und ihre Reserven belasten. Die Branche werde sich grundlegend verändern und die Zukunft der Lebensversicherer sei dabei völlig offen.

Moody’s warnt vor Pleitewelle der Lebensversicherer

Im schlimmsten Fall müssen die Versicherer herbe Verluste im Neukundengeschäft hinnehmen, weil sie den Kunden in den neuen Policen weniger Garantieversprechen machen können. „Überdies könnten mögliche Zusammenbrüche der schwächsten Lebensversicherer das Ansehen der Branche schwächen und das Neugeschäft aller Versicherer beeinflussen“, heißt es in dem Bericht der Ratingagentur. „Es ist schwieriger, die neuen Produkte den Kunden zu erklären“, sagte Moody’s-Analyst Benjamin Serra. „Bisher hat man gesagt, es gibt folgende Garantie. Jetzt muss man das ganze Produkt erläutern.“

Im besten Szenario sieht Moody’s jedoch keinen Einbruch des Neukundengeschäfts und erkennt sogar eine Möglichkeit für die Lebensversicherer, ihr Risikoprofil zu verbessern. In diesem optimistischen Fall werden die Versicherer auch die neuen Anforderungen an ihr Eigenkapital („Solvency II“) nach der Übergangsfrist von 16 Jahren erfüllen. Moody’s hält das Negativ-Szenario für unwahrscheinlich und bleibt weiter optimistisch für die Zukunft der Branche. „Unsere Grundannahme ist derzeit näher am ‚Best-Case-Szenario‘, aber die Risiken sind groß“, so die Autoren der Studie.

Solvency II belastet kleine Lebensversicherer

„Die Lebensversicherer selbst sind gefordert, frühzeitig alles zu unternehmen, was erforderlich ist, um die ausgesprochenen Garantien erfüllen zu können“, mahnte der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld, Anfang des Jahres. Gleichzeitig sieht sich die Branche mit höheren Eigenkapital-Anforderungen („Solvency II“) konfrontiert. Aus einem Bericht der BaFin geht hervor, dass Ende 2014 fast die Hälfte der deutschen Lebensversicherer die Solvency-II-Anforderungen nicht erfüllen. Insgesamt fehlten den Versicherern zwölf Milliarden Euro Eigenkapital. Nur dank der langen Übergangsfrist besteht noch die Möglichkeit, dass diese Unternehmen ihre Eigenmittel rechtzeitig erhöhen.

Die Solvency-II-Regeln sollen dabei zur Stabilität der Versicherungsbranche beitragen. Doch die verschärften Regulierungen bergen auch ein großes Risiko für kleinere deutsche Versicherungsunternehmen, wie Moody’s feststellt. Denn diese würden aktuell über zu wenig Eigenkapital verfügen, um die Richtlinien zu erfüllen. „Ein Zusammenbruch eines oder mehrerer Akteure auf dem deutschen Markt könnte einen Reputationsschaden für die gesamte Branche bedeuten“, zitiert das Handelsblatt aus einem weiteren Bericht der Ratingagentur.

EZB-Geldpolitik löst Protest der Versicherer aus

Der Hauptgrund für die düsteren Aussichten der Branche liegt im niedrigen Leitzins der Eurozone. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Geldpolitik vor Kurzem noch weiter gelockert. In einem unerwarteten Schritt senkte die EZB den Leitzins in der Eurozone auf null Prozent. Zudem wurden der Strafzins für Geschäftsbanken auf minus 0,4 Prozent gesenkt und das Anleihekaufprogramm von 60 auf 80 Milliarden Euro pro Monat ausgedehnt. Dies hat zum Teil heftige Proteste aus der Versicherungsbranche ausgelöst, wie Spiegel Online berichtet.

„Das ist das offizielle Ende der Geldpolitik“, sagte der Vorstandschef der Münchner Rück, Nikolaus von Bomhard, auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens. „Die Nebenwirkungen haben verheerende Ausmaße angenommen. Hier ist alles aus dem Ruder gelaufen. Wenn die Zinsen nicht bald steigen, werden wir Federn lassen, bis ins Ergebnis hinein.“ Von Bomhard kündigte an, dass sein Unternehmen in Zukunft eine zweistellige Millionensumme a Bargeld und Gold im eigenen Haus lagern werde, um so den Strafzinsen der EZB auf Bankeinlagen zu begegnen.

13 KOMMENTARE

  1. Und keiner fragt, wo die Zinsen eigentlich herkommen, die da als Guthaben ausgeschüttet werden. Wächst ja alles auf den Bäumen.

    Die zahlt nämlich jeder beim Einkaufen, weil sie in allen Preisen mit eingepreist sind. Der Bürger zahlt die Zinsen, die er als Guthaben bekommen somit selber. Das Ding ist nur, die meisten zahlen mehr versteckte Zinsen in den Preisen als sie an Guthabenzins bekämen… dadurch hat die Mehrheit ein negatives Zinssaldo… das fällt nur keinem auf, weil die Guthabenzinsen ausgewiesen werden, die Zinszahlungen aber auf dem Kassenbon nicht draufstehen.

    Gerade diejenigen, die von einem niedrigen Zins am meisten profitieren, nämlich die arme Bevölkerung, jammert in ihrer Unwissenheit am lautesten.

  2. Und wenn der Zins dann wieder kommt müssen manche ihr Häuschen wieder verkaufen da er meist für zehn Jahre festgeschrieben ist und sie dann nach Ablaufzeit .den Zins zahlen müssen der dann am Markt angegeben ist . . ein gefährliches Spiel . . für viele

  3. @ Christoph H. Hahnemann,
    .
    wir sollten uns nicht nur fragen, wo die Zinsen herkommen?
    Sondern, auch wo sie hingehen? Die Zinsen, welche die
    Versicherungsgesellschaften angesammelt haben,
    gehen nicht in Richtung >ARME LEUTE< ! Son- dern in Richtung >REICHE LEUTE

  4. Wird schon nicht so schlimm werden: Wir haben die NOTLEIDENDEN Banken mit unserem Geld gerettet, nun werden wir eben unser eigenes Geld mit unserem Geld retten . Auf Frau Merkel und Herrn Schäuble ist doch Verlass.

Comments are closed.