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Rentner bekommen in Zukunft nur die halbe Rente

Thomas Feldhaus

Veröffentlicht · Aktualisiert · 3 Min. Lesezeit

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halbe rente
Den Rentnern von morgen droht die halbe Rente. (Foto: Shutterstock)

Heute müssen 2,7 Einzahler einen Rentner finanzieren. In Zukunft sind es 1,5 Einzahler pro Rentner. Das Geld reicht dann rein rechnerisch nur noch für die halbe Rente. Doch trotz dieser Zahlen steigen die Renten immer weiter an, finanziert durch Schulden. Es droht der Kollaps. 

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Die Rentner von morgen können sich glücklich schätzen, wenn sie noch die halbe Rente von heute bekommen. Denn die Zahl der Einzahler fällt, und die Schulden steigen. (Foto: Shutterstock)

Deutschlands Rentnern steht die stärkste Rentenerhöhung seit 23 Jahren bevor. Um 4,25 Prozent sollen die Renten ab 1. Juli im Westen steigen. Im Osten steigen die Renten sogar um 5,95 Prozent.

„Die umlagefinanzierte Rente bewährt sich also“, sagte in der vergangenen Woche eine stolze Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Und die gut 20 Millionen Rentner in Deutschland dürften sich mit der SPD-Frau gefreut haben.

Aber wie lange kann der Staat seine erneut wachsenden Rentenversprechungen noch erfüllen? Denn nicht nur die Rentenbeträge erhöhen sich, sondern vor allem auch Zahl der Rentner. Zudem schwindet die Zahl der Beitragszahler Jahr für Jahr.

Doch statt gegenzusteuern, werden immer neue sogenannte „Sozial“-Ausgaben beschlossen, etwa die Mütterrente oder die Rente mit 63 Jahren. Mit einem solchen hausgemachten Rentenproblem steht Deutschland allerdings nicht allein in der Welt.

Es droht ein weltweiter Rentenkollaps

Auch andere Staaten schieben einen rasant wachsenden Berg an Rentenzusagen vor sich her, die nicht eingelöst werden können. Sie steuern sehenden Auges in einen Rentenkollaps. Die gewaltigen Dimensionen der Rentenzusagen verschiedener Staaten zeigt eine aktuelle Studie der Citigroup.

Demnach betragen die nicht gedeckten oder unterfinanzierten staatlichen Rentenansprüche in 20 OECD-Staaten zusammen 78 Billionen Dollar (rund 70 Billionen Euro). Ihre Rentenbürde ist fast doppelt so hoch wie ihre Staatsschulden in Höhe von zusammen 44 Billionen Dollar (knapp 40 Billionen Euro).

„Rund um den Globus sind die sozialen Rentensysteme – sowohl staatliche als auch private – massiv unterfinanziert“, zitiert DIE WELT Farooq Hanif, einen der Autoren der Citi-Studie. Damit das Pensionssystem nicht explodiert, müssten Staatsausgaben gekürzt, Firmengewinne gekappt und die Ansprüche der Rentner reduziert werden.

Zwar war der demografische Wandel lange absehbar, doch das Problem wurde ignoriert, und nun lässt sich daran kaum noch etwas ändern. Daher wird sich in den betroffenen Staaten das Verhältnis zwischen Einzahlern und Rentnern massiv zulasten der Staatshaushalte verschieben.

Geld reicht nur für die halbe Rente

In Deutschland kommen derzeit etwa 2,7 Einzahler auf einen Rentner. In Zukunft sich diese Zahl auf 1,5 verringern. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, dürfte man rein rechnerisch nur noch die halbe Rente zahlen oder man müsste den Beitrag verdoppeln. Oder man findet eine Zwischenlösung zwischen beiden Extremen.

„Die staatlichen Rentensysteme sind weltweit in einem erbärmlichen Zustand“, sagte der amerikanische Rentenexperte Laurence Kotlikoff von der Universität Boston auf Anfrage der Welt am Sonntag. Die angekündigte deutsche Rentenerhöhung werde die fiskalische Lücke vergrößern.

„Es gibt nichts umsonst. Wenn die ältere Generation mehr bekommt, muss die jüngere die Rechnung dafür bezahlen.“

Deutschland gibt einen immer größeren Anteil seiner Steuern für die Rentner aus. Schon heute bezuschusst der Bund die Rentenkasse jährlich mit rund 86 Milliarden Euro. Das sind zwar „nur“ gut 3 Prozent des deutschen Bruttoinlandprodukts (BIP), doch die Tendenz ist steigend.

Bundesregierung kennt die Probleme

Erst im Februar haben die Beamten von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf 70 Seiten vorgerechnet, welche Folgen die Alterung der Gesellschaft für die Staatsfinanzen haben wird. Es gebe „erhebliche Tragfähigkeitsrisiken“, welche die Verschuldung weit über das im Maastrichter Vertrag vereinbarte Maß in die Höhe treiben könnten.

In einem ungünstigen Szenario könnte der Schuldenstand des deutschen Staates wegen der Belastung durch die Rentenzuschüsse bis zum Jahr 2060 „kontinuierlich auf rund 220 Prozent“ des BIP ansteigen, so der Bericht.

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