
Auch Deutschland bewegt sich langsam in eine Richtung, an deren Ende die vollkommene Abschaffung des Bargelds stehen könnte. Die Bundesregierung setzt sich derzeit für eine europäische Obergrenze für Bargeldgeschäfte ein. Doch wenn es auf der EU-Ebene keine Einigung gibt, dann will die Bundesregierung auch alleine handeln.
„Wir können uns eine Obergrenze vorstellen in der Größenordnung von 5.000 Euro“, sagte Finanzstaatssekretär Michael Meister. Der Bundesregierung gehe es nicht um eine Abschaffung des Bargelds. Grund für dieses Verbot von hohen Bargeldzahlungen ist offenbar ein erhöhtes Risiko für Geldwäsche.
Kampf gegen Kriminelle?
„Deutschland, aber auch andere Länder ziehen quasi magnetisch diese schwarzen Gelder an“, zitiert T-Online Kai-D. Bussmann von der Universität Halle-Wittenberg. Seine Studie wurde vom Bundesfinanzministerium in Auftrag gegeben.
Neben einer Obergrenze für Bargeld empfiehlt Kai-D. Bussmann, dass die Aufsichtsbehörden gestärkt werden und dass sie viel intensiver kontrollieren. Er schätzt den Umfang der Geldwäsche in Deutschland auf mehr als 100 Milliarden Euro im Jahr.
Betroffen seien vor allem der Bau- und Immobilienbereich, der Boots- und Jachthandel, das Geschäft mit Kunst und Antiquitäten sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Mithilfe von Bargeld gelangten hier illegal erzielte Erträge unbemerkt in den normalen Wirtschaftskreislauf.
Oder Kontrolle der Bürger?
Für die FDP sagte der Finanzexperte Dr. Volker Wissing: „Union und SPD geht es nicht um die Bekämpfung der Terrorfinanzierung, sondern um die Kontrolle über die Sparguthaben.“ Die FDP lehne den Einstieg in ein Bargeldverbot ab. „Bargeld ist gelebte Freiheit, die wir nicht preisgeben sollten.“
Die Grünen sehen das ähnlich wie die FDP. Ihr Bundestagsabgeordneter und Datenschutz-Experte Konstantin von Notz kritisierte den Vorstoß des Finanzministeriums via Twitter: „Der Versuch, nun Bargeldzahlungen massiv einzuschränken, ist ein neuer fundamentaler Angriff auf den Datenschutz + die Privatsphäre.“
Abschaffung des Bargelds kommt
Die Debatte um eine Abschaffung des Bargelds hat in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. Denn digitale Technologien wie die sogenannten Krypto-Währungen sind in vieler Hinsicht effizienter. Zudem nutzen immer mehr Menschen lieber Geldkarten oder tätigen ihre Überweisungen im Internet.
Auch einige Ökonomen und Zentralbanker fordern ein Ende des Bargelds. Denn wenn die Bürger nicht mehr ins Bargeld flüchten können, dann haben sie es schwerer, ihrer schleichenden Enteignung durch negative Zinsen zu entkommen.


