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Biobasierte Materialien: Europas Industrie sucht neue Rohstoffe – und SUSMATA will davon profitieren

Heino Zießnitz

Veröffentlicht · 9 Min. Lesezeit

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Europa will weniger abhängig von fossilen Rohstoffen werden. Europa will weniger abhängig von fossilen Rohstoffen werden. Damit wächst der Bedarf an Werkstoffen, die technische Leistungsfähigkeit mit einer effizienteren Rohstoffnutzung verbinden.

An diesem Punkt setzt die europäische Bioökonomie-Politik inzwischen stärker an. Die EU-Kommission will nicht länger nur Forschung und Entwicklung fördern, sondern gezielt Märkte für biobasierte Materialien schaffen. Im Oktober 2026 soll dafür die Bio-based Europe Alliance starten.

Bis 2030 sollen Unternehmen Abnahmezusagen für biobasierte Produkte im Umfang von insgesamt 10 Milliarden Euro mobilisieren.

Die SUSMATA AG entwickelt aus pflanzlichen Reststoffen Werkstoffe für industrielle Anwendungen und verbindet damit Kreislaufwirtschaft mit einem wachsenden Bedarf an alternativen Materialien. Mit zunehmender Nachfrage nach biobasierten Lösungen gewinnt dieser Ansatz zusätzlich an wirtschaftlicher Relevanz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die EU-Kommission will den Markt für biobasierte Materialien gezielt vergrößern und industrielle Abnehmer stärker einbinden.
  • Die Bio-based Europe Alliance soll am 20. und 21. Oktober 2026 in Dublin offiziell starten.
  • Bis 2030 sollen über die Initiative Unternehmenszusagen für biobasierte Produkte von insgesamt 10 Milliarden Euro mobilisiert werden.
  • SUSMATA entwickelt Materialien aus pflanzlichen Reststoffen für Anwendungen unter anderem in Mode, Automotive und Innenausstattung.
  • SUSMATA positioniert sich mit VSP+, REROSE und weiteren Materialkonzepten in mehreren industriellen Anwendungsfeldern.

Europas Bioökonomie wird zum Wachstumsmarkt

Forschung an nachwachsenden Rohstoffen gibt es seit Jahrzehnten. Das Problem beginnt häufig dort, wo aus einem erfolgreichen Versuch ein industrielles Produkt werden soll.

Mit dem Übergang von Forschung und Entwicklung zur industriellen Produktion entsteht derzeit ein neuer Markt. Produktionskapazitäten werden aufgebaut, Lieferketten für biobasierte Rohstoffe entstehen und immer mehr Unternehmen prüfen, wo etablierte Materialien durch neue Werkstofflösungen ergänzt oder ersetzt werden können.

Die Europäische Kommission will diesen Prozess gezielt beschleunigen. Ihre neue Bioökonomie-Strategie richtet den Blick deshalb stärker auf Skalierung, Investitionen und konkrete Absatzmärkte. Für Unternehmen, die bereits an industriell nutzbaren biobasierten Materialien arbeiten, verbessert sich damit das Marktumfeld.

Für Materialunternehmen ist besonders relevant, dass neben Forschung und Entwicklung nun auch Absatzmärkte und industrielle Abnahme stärker in den Fokus rücken.

10 Milliarden Euro sollen Nachfrage schaffen

Hier setzt die Bio-based Europe Alliance an. Sie soll Produzenten biobasierter Materialien mit großen europäischen Abnehmern zusammenbringen. Die Kommission spricht von sogenannten offtake commitments – also Zusagen von Unternehmen, bestimmte Produkte oder Materialien abzunehmen.

Der offizielle Start ist für den 20. und 21. Oktober 2026 beim Global Bioeconomy Summit in Dublin vorgesehen. Ziel sind Abnahmezusagen von insgesamt zehn Milliarden Euro bis 2030.

Das angestrebte Volumen zeigt, welche wirtschaftliche Bedeutung die EU biobasierten Produkten inzwischen beimisst. Neben der klassischen Forschungsförderung soll zunehmend auch die Nachfrageseite gestärkt werden. Für Materialunternehmen verbessert das die Voraussetzungen, Produktionskapazitäten auszubauen und neue Anwendungen gemeinsam mit industriellen Kunden zu entwickeln.

Nachhaltigkeit bleibt dabei ein wichtiger Ausgangspunkt. Im industriellen Markt kommen weitere Faktoren hinzu: reproduzierbare Qualität, technische Leistungsfähigkeit, Lieferfähigkeit und wettbewerbsfähige Kosten. Gerade Unternehmen, die ökologische Vorteile mit industriellen Anforderungen verbinden können, erhalten dadurch neue Marktchancen.

SUSMATA macht aus Reststoffen neue industrielle Rohstoffe

SUSMATA gehört zu den Unternehmen, die diesen europäischen Trend bereits technologisch aufgreifen. Ausgangspunkt der Materialentwicklung sind pflanzliche Reststoffe, darunter Nebenprodukte aus der Teeproduktion. Aus Stoffen, die bereits vorhanden sind, sollen neue Werkstoffe für hochwertige Anwendungen entstehen.

Der wirtschaftliche Reiz liegt in der zusätzlichen Wertschöpfung: Bestehende Stoffströme erhalten eine neue Verwendung, ohne dass eigens neue landwirtschaftliche Rohstoffquellen aufgebaut werden müssen. Damit verbindet SUSMATA zwei Themen, die für die europäische Industrie an Bedeutung gewinnen – Ressourceneffizienz und Materialinnovation.

Eine ausführliche Darstellung des ursprünglichen Materialansatzes und der Entwicklung von WASTEA findet sich bereits bei SQUAREVEST: SUSMATA AG – Innovative Materialien aus Pflanzenabfällen.

Die Materialien von SUSMATA im Überblick

SUSMATA entwickelt mehrere biobasierte Werkstoffe auf Basis pflanzlicher und biogener Reststoffe. Im Vordergrund stehen derzeit VSP+ und REROSE; weitere Konzepte befinden sich in der Entwicklung.

VSP+

Pflanzenbasierte Materiallösung für lederähnliche Anwendungen.

  • Einsatz: Fashion, Automotive, Möbel, Innenausstattung
  • laut SUSMATA 28 Qualitäten verfügbar
  • im Automotive-Bereich in finaler Testphase mit mehreren OEMs und Tier-Zulieferern

REROSE

Material für hochwertige Fashion- und Designanwendungen.

  • Fokus auf Optik, Haptik und Materialwirkung
  • entwickelt für High-End-Fashion
  • ergänzt VSP+ um eine stärker design- und luxusorientierte Materiallinie

Weitere Entwicklungen

SUSMATA arbeitet außerdem an zusätzlichen Materialkonzepten:

  • NOTPLAST – pflanzenbasierte Alternative zu klassischen Kunststoffen
  • BIOSTYRO – biobasierte Alternative zu Polystyrol
  • CIRCMA – zirkulärer Werkstoff für Bau und Innenausbau
  • GREENTARP – biobasierte Plane für industrielle und Outdoor-Anwendungen

Damit verfolgt SUSMATA einen breiten Ansatz: Aus einer gemeinsamen Materialtechnologie sollen Lösungen für unterschiedliche Branchen entstehen.

Aktuelle Produktinformationen von SUSMATA

Industrielle Anwendungen öffnen neue Märkte

Gerade bei neuen Werkstoffen entscheidet die industrielle Einsatzfähigkeit über das Marktpotenzial. Anforderungen unterscheiden sich dabei erheblich: Während Mode- und Designanwendungen besondere Ansprüche an Optik und Haptik stellen, zählen im Automotive-Bereich unter anderem Belastbarkeit, Temperaturbeständigkeit, Farbechtheit und reproduzierbare Qualität.

SUSMATA richtet seine Materialentwicklung nach eigenen Angaben auf solche konkreten Anwendungen aus und verweist auf Tests sowie definierte technische Eigenschaften. Damit geht das Unternehmen über den reinen Rohstoffansatz hinaus und positioniert seine Materialien zunehmend für professionelle Einsatzfelder.

Der nächste Entwicklungsschritt liegt deshalb nicht in der Frage, ob sich Pflanzenreste zu Werkstoffen verarbeiten lassen, sondern darin, wie breit diese Materialien in unterschiedlichen Branchen eingesetzt werden können.

Messbare Nachhaltigkeit wird zum Wettbewerbsvorteil

Mit steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen verändert sich auch die Beschaffung großer Unternehmen. Gefragt sind zunehmend konkrete Daten zu Rohstoffherkunft, Materialzusammensetzung, CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch und Lebenszyklus.

Für Materialentwickler eröffnet das eine Chance, ökologische Eigenschaften nachvollziehbar zu dokumentieren. SUSMATA veröffentlicht dazu Angaben unter anderem zu Materialzusammensetzung, Wasserverbrauch und möglichen CO₂-Einsparungen.

Technische Datenblätter, Lebenszyklusanalysen und unabhängige Prüfungen gewinnen dadurch zusätzlich an Bedeutung. Je transparenter die Datenbasis, desto leichter lassen sich neue Materialien in professionelle Beschaffungsentscheidungen integrieren.

Nachhaltigkeitsinformationen von SUSMATA

Neue EU-Regeln verändern die Nachfrage nach Materialien

Seit dem 12. August 2026 wird die neue europäische Verpackungsverordnung PPWR angewendet. Sie schafft einheitlichere Regeln für Verpackungen und Verpackungsabfälle und soll Materialverbrauch reduzieren, Recycling verbessern und den Einsatz von Ressourcen effizienter gestalten.

Damit wächst bei Unternehmen das Interesse an neuen Materialkonzepten. Biobasierte Werkstoffe können dort interessant werden, wo sie funktionale Anforderungen mit einer effizienteren Rohstoffnutzung verbinden.

Entscheidend bleibt die jeweilige Anwendung. Für Entwickler neuer Materialien entstehen dadurch jedoch zusätzliche Anknüpfungspunkte in einem Markt, der seine Rohstoffbasis zunehmend überprüft.

Reststoffe können zu einem wirtschaftlichen Rohstoff werden

Der Ansatz, vorhandene Pflanzenreste zu nutzen, ist wirtschaftlich interessant. In Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie entstehen große Mengen organischer Nebenprodukte, die bislang häufig nur begrenzt hochwertig genutzt werden.

Für Unternehmen wie SUSMATA liegt darin ein interessantes industrielles Modell: Ein vorhandener Reststoff wird nicht lediglich entsorgt oder energetisch verwertet, sondern als Ausgangspunkt für ein höherwertiges Produkt genutzt.

So wird aus Kreislaufwirtschaft zusätzliche Wertschöpfung – Reststoffe werden zu Rohstoffen für neue Märkte.

Warum der Markt für SUSMATA attraktiver wird

Die Voraussetzungen für biobasierte Materialien verbessern sich derzeit auf mehreren Ebenen. Unternehmen suchen nach alternativen Rohstoffen, regulatorische Vorgaben fördern Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz, während die EU gezielt neue Absatzmärkte aufbauen will.

Gleichzeitig bleibt die industrielle Eignung entscheidend. Materialien müssen technisch überzeugen, zuverlässig verfügbar und wirtschaftlich einsetzbar sein. Für SUSMATA ist gerade diese Verbindung interessant: Das Unternehmen verbindet eine alternative Rohstoffbasis mit konkreten Anwendungen in Märkten wie Mode, Automotive und Innenausstattung.

SUSMATA hat sich früh auf einen Ansatz konzentriert, der diese Entwicklungen miteinander verbindet: pflanzliche Reststoffe als Grundlage neuer Werkstoffe für industrielle Anwendungen. Mit VSP+, REROSE und weiteren Entwicklungen baut das Unternehmen diese technologische Basis weiter aus.

Ferryhouse hat den Zusammenhang zwischen Bioökonomie, neuen Rohstoffen und industrieller Skalierung bereits am Beispiel der industriellen Algenproduktion aufgegriffen.

Fazit: SUSMATA positioniert sich in einem wachsenden Industriemarkt

Europas Bioökonomie tritt in eine neue Phase. Forschung und Nachhaltigkeitsziele bleiben wichtig, doch zunehmend geht es um industrielle Anwendungen, Produktionskapazitäten und konkrete Nachfrage.

Die geplante Bio-based Europe Alliance macht diese Entwicklung sichtbar. Mit angestrebten Abnahmezusagen von zehn Milliarden Euro bis 2030 will die EU einen Markt unterstützen, in dem neue Werkstoffe schneller den Weg in industrielle Anwendungen finden.

SUSMATA ist für diese Entwicklung gut positioniert. Das Unternehmen nutzt pflanzliche Reststoffe, entwickelt daraus Materialien für unterschiedliche Branchen und arbeitet an einer Plattform, die von Fashion und Design bis zu Automotive und weiteren industriellen Anwendungen reicht.

Besonders interessant ist dabei die Verbindung von Kreislaufwirtschaft und Wertschöpfung: Rohstoffe, die bereits als Nebenprodukte vorhanden sind, erhalten eine neue industrielle Nutzung.

Wenn Europa seine Bioökonomie wie geplant ausbaut, könnten genau solche Materialkonzepte an Bedeutung gewinnen.

Für SUSMATA eröffnet sich damit die Chance, seine Materialtechnologie in einem wachsenden europäischen Markt auf weitere industrielle Anwendungen zu übertragen.

FAQ zu SUSMATA und biobasierten Materialien

Was macht die SUSMATA AG?

SUSMATA entwickelt Werkstoffe auf Basis pflanzlicher Reststoffe. Die Materialien sind für Anwendungen unter anderem in Mode, Möbeln, Automotive und weiteren industriellen Bereichen vorgesehen.

Was bedeutet „biobasiertes Material“?

Biobasierte Materialien bestehen vollständig oder teilweise aus biologischen Rohstoffen. Dazu können Pflanzen, Holz, landwirtschaftliche Nebenprodukte oder andere Biomasse gehören. Biobasiert bedeutet allerdings nicht automatisch biologisch abbaubar oder vollständig kreislauffähig.

Was ist die Bio-based Europe Alliance?

Die Initiative der Europäischen Kommission soll Hersteller biobasierter Materialien und große Abnehmer zusammenbringen. Bis 2030 sollen Unternehmenszusagen für biobasierte Produkte von insgesamt zehn Milliarden Euro mobilisiert werden. Der offizielle Start ist für den 20. und 21. Oktober 2026 geplant.

Warum sind Pflanzenabfälle als Rohstoff interessant?

Reststoffe sind bereits vorhanden und können zusätzliche Wertschöpfung ermöglichen. Ob ihre Nutzung tatsächlich wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll ist, hängt jedoch von Herkunft, Transport, Aufbereitung, Produktionsverfahren und dem jeweiligen Endprodukt ab.

Sind pflanzenbasierte Materialien automatisch nachhaltiger?

Nicht automatisch. Entscheidend ist der gesamte Lebenszyklus – von Rohstoff und Produktion über Haltbarkeit bis zu Recycling und Entsorgung.

Quellen und weiterführende Informationen

Europäische Kommission – Bioeconomy Strategy: Strategie, Ziele und Maßnahmen zum Aufbau europäischer Märkte für biobasierte Produkte

Europäische Kommission, 10. Juni 2026: Start der Maßnahmen zur Bio-based Europe Alliance und Ziel von zehn Milliarden Euro an Abnahmezusagen bis 2030

Europäische Kommission – Bioeconomy Factsheet: Kennzahlen zur europäischen Bioökonomie und zu geplanten Leitmärkten

Europäische Kommission, 11. August 2026: Informationen zur Anwendung der neuen europäischen Verpackungsverordnung PPWR

SUSMATA AG: Unternehmens-, Produkt- und Materialinformationen

SQUAREVEST: Hintergrund zu SUSMATA, WASTEA und der Nutzung pflanzlicher Reststoffe

Business Leaders: Unternehmens- und Marktprofil der SUSMATA AG

SCOREDEX: Einordnung von Geschäftsmodell, Materialien und Kreislaufwirtschaft

Gegenargumente: Einordnung der Materialinnovation zwischen Entwicklung und industrieller Umsetzung

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