Featured
Springer-Chef: Großbritannien wird vom Brexit profitieren
Veröffentlicht · Aktualisiert · 2 Min. Lesezeit
Der Brexit wird der EU mehr schaden als Großbritannien, sagt Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner. Denn das Land könne nun eine „Talent-orientierte“ Zuwanderung verfolgen. Die EU hingegen entwickle sich zur Transfer-Union.

Der Brexit wird für den Rest der Europäischen Union schmerzvoller sein, als für Großbritannien, sagt Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner. Das Land könnte sich für ausländische Investoren als „hoch attraktive“ erweisen.
Zwar werde Großbritannien kurzfristig negative Folgen des Brexit-Votums vom 23. Juni tragen müssen. Doch in drei bis fünf Jahren werde das Land besser dastehen als Kontinentaleuropa, sagte Mathias Döpfner der Financial Times im Axel-Springer-Hauptquartier in Berlin.
Die EU wird zu einer Transfer-Union
Der Axel-Springer-Chef erwartet, dass Großbritannien sich in Richtung eines mehr an freier Marktwirtschaft orientierten Modells entwickelt, „während Europa sich Schritt für Schritt in eine Transfer-Union verwandelt“.
Im Rahmen dieser Transformation der EU werde immer mehr Geld von den produzierenden in die konsumierenden Staaten umverteilt. Diese Entwicklung könne viele Investoren abschrecken, sagt Mathias Döpfner. „Wenn Großbritannien hier eine Alternative schaffen kann, ist das meiner Ansicht nach hoch attraktiv.“
Mathias Döpfner widerspricht den Eliten
Der Axel-Springer-Chef widerspricht mit seiner Einschätzung dem Großteil der deutschen Elite, die durch den Brexit ein Desaster für die britische Wirtschaft erwartet. Anfang September sagte etwa Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), dass die wirtschaftlichen Folgen des Brexit „sehr negativ“ für Großbritannien sein werden.
Axel Springer ist einer der größten Medienkonzerne Europas. Ihm gehören die Bild-Zeitung und die Welt. Unter Führung von Mathias Döpfner hat das Unternehmen international expandiert und massiv in digitale Medien investiert, darunter Business Insider und Politico Europe.
Der Konzern macht 12 Prozent seines Umsatzes in Großbritannien und wurde selbst hart vom Brexit getroffen. Im August kündigte Axel Springer an, dass der Umsatz für 2016 infolge des Referendums nur genauso stark ausfallen wird wie im vergangenen Jahr. Zuvor hatte man mit einem leichten Umsatzplus gerechnet.
Vorteile einer eigenen Migrationspolitik
Kurzfristig erwartet der Axel-Springer-Chef Turbulenzen durch Währungsschwankungen und im Immobilienmarkt. Doch langfristig werde Großbritannien außerhalb der EU besser aufgehoben sein.
Zum Beispiel könne man eine „Talent-orientierte“ Zuwanderungspolitik verfolgen, sagt Mathias Döpfner. „Man integriert und lädt hauptsächlich Leute ein, von denen man profitiert, und nicht Leute, die nur von deinem Sozialsystem profitieren.“
Die EU hingegen werde auch darunter leiden, dass der „gesunde Einfluss“ Großbritanniens fehle, vor allem dessen Pragmatismus und marktwirtschaftliche Orientierung. Dieser britische Einfluss habe bei den Verhandlungen der EU-Mitgliedsstaaten in der Vergangenheit zu „vernünftigen Kompromissen“ geführt.
Wenn künftig alles durch Frankreich, Spanien und Italien festgelegt werde, die Kompromisse mit Deutschland machen, dann mache ihm diese Aussicht Sorgen, sagt Mathias Döpfner.


