Wird die Deutsche Bank das nächste Lehman Brothers?

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Die Deutsche Bank erlebt zurzeit einen beispiellosen Absturz. Die Bank fiel zum zweiten Mal in Folge durch den Stresstest der US-Notenbank. Der Aktienkurs stürzt ab und das Geldinstitut ist zum Ziel von Spekulanten geworden. Der Internationale Währungsfonds warnt sogar, die Risiken in den Bilanzen der Bank könnten das weltweite Finanzsystem ins Wanken bringen. Löst die Deutsche Bank die nächste Finanzkrise aus?

Die Deutsche Bank steht derzeit unter gewaltigem Druck und könnte zum nächsten Lehman Brothers werden. In Frankfurt am Main, wo das Finanzinstitut seinen Hauptsitz hat, ist die Lage angespannt. (Bild „<a href="https://www.flickr.com/photos/xingxiyang/15161527664/in/photolist-p6LMXo-q3GnUE-aB75MA-6coBbW-nfmW7v-4frvWe-k9fSoT-6YKSFQ-5QbpxA-rr2TPU-tESoX-mbGUVe-jDigyv-nbohJS-FAAv-6cddic-e7dDm3-oLtyCD-pN41gQ-oR35yH-mMg4k2-ezmWg6-fdxfQb-nVHu6U-jDjfkz-vUSedS-ejDA7x-nCtjQX-pBcvHR-qeaZkn-ihsh44-5aqsLm-4Eok3Z-fdx4E7-7Nd4NV-mbGVzR-766MjG-4DeeGt-cd9rB1-nriZyR-7PRwQG-985Nj6-9tPTmw-qLUNbQ-qLPJvn-oMnu1m-mTLuq6-mMgcD6-htc61z-dsa9UA" target="_blank">Frankfurt Skyline</a>“ von „<a href="https://www.flickr.com/photos/xingxiyang/" target="_blank">Kiefer</a>“ via flickr.com. Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank">Creative Commons 2.0</a>)
Die Deutsche Bank steht derzeit unter gewaltigem Druck und könnte zum nächsten Lehman Brothers werden. In Frankfurt am Main, wo das Finanzinstitut seinen Hauptsitz hat, ist die Lage angespannt. (Bild „Frankfurt Skyline“ von „Kiefer“ via flickr.com. Lizenz: Creative Commons 2.0)

Für Deutschlands größtes Geldinstitut stehen die Zeichen auf Sturm. Nicht enden wollende Justizskandale haben der Deutschen Bank den größten Verlust in der Konzerngeschichte beschert und ihr einstmals solides Image ramponiert. Der Aktienkurs hat sich seit Jahresbeginn fast halbiert. Und berüchtigte Spekulanten wie George Soros wetten offen auf den Absturz der Bank.

Deutsche Bank fliegt erneut durch Stresstest

Als wäre all dies nicht genug, hat die Deutsche Bank den Stresstest der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) gerissen – zum zweiten Mal in Folge. Der Stresstest soll gewährleisten, dass der Zusammenbruch einer großen Bank nicht erneut das weltweite Finanzsystem gefährdet wie es die Insolvenz von Lehman Brothers tat. Die Fed begründete das erneute Scheitern am Mittwoch nach Börsenschluss mit „qualitativen Bedenken“ besonders beim Risikomanagement und bei internen Kontrollen. Bereits ein Jahr zuvor fiel die Deutsche Bank aufgrund ihres Risikomanagements durch den Stresstest.

IWF-Grafik Systemrelevante BankenOffenbar hat die Bank nur unzureichende Fortschritte dabei gemacht, die Fehler zu beheben. Zudem kritisiert die US-Notenbank den Kapitalplan des Geldinstituts. Dieser weise nach wie vor „umfassende und substanzielle Schwächen auf“, wie die FAZ berichtet. Von 33 Großbanken fiel neben der Deutschen Bank nur noch die spanische Banco Santander durch den Stresstest. Die US-Investmentbank Morgan Stanley wurde dagegen unter dem Vorbehalt durchgewunken, die beanstandeten Schwächen bis zum Jahresende abzustellen und den Kapitalplan nachzubessern.

Deutsche-Bank-Aktie erreicht historischen Tiefstand

Die Aktie der Deutschen Bank reagierte auf die Stresstest-Meldung erwartungsgemäß negativ. Nach Handelsbeginn verlor sie zwischenzeitlich 3,5 Prozent und fiel bis auf 12,21 Euro – ein neuer historischer Tiefstand. Damit setzt sich eine tagelange Abwärtsspirale fort. Seitdem sich die Briten am Donnerstag vergangener Woche in einem Referendum für einen EU-Austritt ausgesprochen hatten, verlor die Deutsche-Bank-Aktie massiv an Wert. Am Freitag nach dem Brexit-Votum fiel die Aktie zu Handelsbeginn um 17 Prozent von 15,52 Euro auf 13 Euro. Der Ausblick der Analysten bleibt negativ, sie raten weiterhin zum Verkauf.

Für die Aktionäre der Deutschen Bank ist es bisher ein verheerendes Jahr. Der Vorstand meldete im Januar mit sieben Milliarden Dollar den größten Verlust in der 145-jährigen Geschichte der Bank. Die Aktie erlebte daraufhin eine beispiellose Talfahrt und verlor seit Jahresbeginn rund 45 Prozent an Wert. Im Februar fiel das Papier auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren, als die Bank in den Sog der Finanzkrise geriet. Seit Ende Juni 2015, als die Deutsche-Bank-Aktie noch bei knapp 27 Euro notierte, büßte das Wertpapier sogar mehr als 50 Prozent ein. Nach Ansicht der Börsenhändler hat sich der Wert des Unternehmen also in nur zwölf Monaten halbiert.

Es überrascht daher nicht, dass Spekulanten über der Bank kreisen und auf einen Absturz des einstigen Branchenprimus setzen. Investoren-Legende George Soros wettet mit 100 Millionen Euro gegen die Bank. Seine Investmentgesellschaft Soros Fund Management LLC ging eine Leerverkaufsposition in Höhe von 0,51 des ausgegebenen Aktienkapitals der Deutschen Bank ein. Auch der Londoner Hedgefonds Marshall Wace ging eine Wette in gleicher Größenordnung gegen die Deutsche Bank ein. Damit summieren sich die Netto-Leerverkaufspositionen der Hedgefonds derzeit auf mindestens 1,01 Prozent der Deutsche-Bank-Aktien. Da nur größere Positionen veröffentlicht werden müssen, dürfte die tatsächliche Zahl der Wetten gegen die Deutsche Bank deutlich höher liegen. Rechnen die Spekulanten mit einem Kollaps des deutschen Branchenprimus?

IWF: Deutsche Bank gefährdet gesamtes Finanzsystem

Diese Möglichkeit beschäftigt offenbar auch Aufsichtsbehörden am anderen Ende der Welt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) mit Sitz in Washington D.C. sieht in der Deutschen Bank die gefährlichste Bank für das globale Finanzsystem. Das Geldinstitut steht beim IWF seit auf Platz Eins der risikoreichen Großbanken. Der Währungsfonds warnt deshalb in einer aktuellen Analyse eindringlich vor den Risiken, die ein Scheitern der Deutschen Bank für das Weltfinanzsystem haben würde. Hintergrund der Sorge ist die weltweite Verflechtung der systemrelevanten Banken untereinander.

IWF-Grafik Verflechtung Deutsche Bank„Unter den global tätigen Banken mit systemischer Bedeutung scheint die Deutsche Bank der wichtigste Nettolieferant von Systemrisiken zu sein, gefolgt von der HSBC und der Credit Suisse“, zitiert der Finanzblog Zero Hedge aus dem IWF-Bericht. Die Analyse der IWF-Experten bezieht sich dabei auf Aktienkursschwankungen zwischen Oktober 2007 bis Februar dieses Jahres und wie sich diese auf andere Finanzinstitute auswirkten. „Die relative Bedeutung der Deutschen Bank unterstreicht die Wichtigkeit des Risikomanagements, intensiver Beobachtung und der eingehenden Überwachung von grenzüberschreitenden Gefährdungen.“

Da die Bank eng mit großen Versicherungskonzernen wie der Allianz AG und Hannover Re verknüpft ist, hätte ihr Zusammenbruch schwerwiegende Folgen für die deutsche und fatale Folgen für die globale Wirtschaft, so der IWF-Bericht. Der Währungsfonds schätzt, dass eine Instabilität des deutschen Bankwesens sich schnell auf den gesamten Globus ausbreiten würde. Die deutsche Regierung müsse daher dringend prüfen, ob die Abwicklungspläne im Falle eines Kollaps der Deutschen Bank greifen. Die BaFin beobachtet den deutschen Banksektor intensiv und achtet besonders auf drohende Liquiditätsabflüsse und sinkende Ratings, berichtet das Handelsblatt.

Parallelen zur Pleite von Lehman Brothers

Könnte eine Deutsche-Bank-Pleite die nächste Finanzkrise auslösen, so wie es die Lehman-Brothers-Insolvenz im September 2008 tat? Tatsächlich sind Parallelen zur letzten Finanzkrise vorhanden. Im September 2008 gab die Investmentbank Lehman Brothers einen Verlust von 3,9 Milliarden Dollar bekannt. Der Verlust resultierte vor allem aus Risiken der Bank im Hypothekengeschäft. Nur fünf Tage später musste Lehman Brothes Insolvenz anmelden und löste damit die bisher größte Finanzkrise aus. Die Lehman-Pleite kam für die Finanzwelt überraschend, weil die Investmentbank seine Schieflage lange Zeit mit Bilanztricks verschleierte.

IWF-Grafik Vernetzung Banken VersichererVergleicht man dies mit der Entwicklung der Deutschen Bank in den letzten 24 Monaten, kann man Ähnlichkeiten erkennen. Im April 2014 verkündete die Bank eine unerwartete Kapitalerhöhung um 1,5 Milliarden Euro. Nur einen Monat später warf das Geldhaus Aktien für 8 Milliarden Euro deutlich unter Wert auf den Markt, um sich zu refinanzieren. Es folgten Vergleichszahlungen in Milliardenhöhe für die zahllosen Rechtsstreitigkeiten, denn die Deutsche Bank war vom Libor-Skandal bis zur Manipulation der Edelmetallmärkte in fast alle Finanzskandale der letzten Jahre verwickelt.

Im Juni 2015 trat Anshu Jain als Vorstand der Bank zurück. Sein Kollege Jürgen Fitschen sollte ihm wenig später folgen. Kurz darauf senkte die US-Ratingagentur Standard & Poor’s ihre Bewertung auf BBB+, nur drei Stufen über Ramsch-Niveau und noch unter dem Rating, das Lehman Brothers wenige Monate vor der Pleite erhielt. Und Ende Januar 2016 meldete die Konzernzentrale in Frankfurt am Main den größten Verlust der Unternehmensgeschichte. Seither hat sich der Marktwert des ohnehin stark angeschlagenen Geldinstituts nochmals halbiert. Sollten die Ratingagenturen ihre Bewertung weiter senken, würde dies die Kapitalbeschaffung deutlich erschweren und die Pleite wäre kaum noch abwendbar.

Analyst hält Probleme der Bank für „unüberwindbar“

„Das größte Problem ist, dass die Deutsche Bank zu stark gehebelt ist. Unserer Annahme nach glauben wir, dass sie noch über 40x gehebelt ist“, zitiert Zero Hedge James Chappell, Analyst bei Deutschlands ältester Privatbank Berenberg. „Die Deutsche Bank kann entweder ihre Vermögenswerte reduzieren oder ihr Kapital erhöhen, um dies zu korrigieren. Ersteres geben die Märkte aufgrund der Größe und des Preises nicht her, um diesen Weg zu beschreiten. Das Zweite erscheint im Moment unmöglich, da die Rentabilität des Kerngeschäfts unter Druck steht. Fremdkapital zu suchen ist wahrscheinlich auch schwierig, da es das Management wahrscheinlich schwer haben dürfte dem Kapital irgendeine Form von Rendite zu bieten.“

Der entscheidende Unterschied zwischen der Deutschen Bank und Lehman Brothers ist, dass das deutsche Finanzinstitut dreimal größer ist als es die US-Investmentbank zum Zeitpunkt ihres Zusammenbruchs war. Die Deutsche Bank ist allein mit rund 55 Billionen Euro im weltweiten Derivate-Geschäft investiert. Das entspricht in etwa der 16-fachen Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik Deutschland. Hinzu kommt, dass das Finanzinstitut massenhaft Staatsanleihen der angeschlagenen EU-Staaten Spanien, Portugal und Griechenland hält. Der Orkan, den eine Deutsche-Bank-Pleite im globalen Finanzsystem entfachen würde, könnte die letzte Finanzkrise dagegen aussehen lassen wie ein laues Lüftchen.

16 KOMMENTARE

  1. Die haben echt nichts aus der letzten Finanzkrise gelernt. Wie Mutti immer sagte der Markt reguliert sich von alleine. Einen Scheiß haben die Bänker gelernt.

  2. Zwar ist die DB kein Kind von Traurigkeit. Das ist nur ein weiterer Schritt im Wirtschaftskrieg gegen Deutschland und die EU. Wäre es Black Rock (Anteilseigner der DB) wichtig hätten die interveniert gegen die IWF- Mafia. POder haben die Wetten laufen wie der Soros gegen die DB ?

  3. Die Deutsche Bank wird schon dafür sorgen das wir bald wieder eine Weltwirtschaftskrise bekommen und danach alle faulen Banken weg damit. Die Banken bringen mehr schaden in der Volkswirtschaft als der Normale Bürger.

  4. Ich wird so gerne Millimeter. Leider ist meine Konto leer. ….
    Aber Steuerzahler werden das richten müssen. … Hauptsache deren Dividenden und Prämien in Millionen Höhe.

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