Wie wird man Ritter des Malteser-Ordens?

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Wie wird man Ritter des Malteser-Ordens
Wer will nicht einmal Ritter sein? (Foto: Hans Splinter)

Der sagenumwobene Malteserorden mit Sitz in Rom ist offiziell der kleinste Staat der Welt. Wegen seiner politischen Neutralität ist er immer wieder in den Konfliktregionen der Welt als Vermittler tätig. Um Ritter des Malteser Ritterordens zu werden, muss man sich in der Katholischen Kirche engagieren und ehrenamtliche Führungsfunktionen im Malteser Hilfsdienst übernehmen.

Regierungssitz des Souveränen Malteserordens ist Rom. Der Orden sitzt im exterritorialen Magistralpalast in der Via Condotti 68 und in der Villa Malta auf dem Aventin an der Piazza dei Cavalieri di Malta mit 4.000 Quadratmetern Land. Die Magistralvilla beherbergt neben der Ordenskirche auch die Botschaften des Ordens in Italien und beim Heiligen Stuhl.

Der Malteserorden ist somit der kleinste Staat der Welt. Wegen seiner politischen Neutralität werden seine Diplomaten in allen Konfliktregionen als Mittler und Vermittler akzeptiert. Ihr Einfluss ist weit größer als ihr öffentlicher Bekanntheitsgrad.

Die Malteser-Ritter haben in Kurdistan vermittelt, mit dem grausamen Pol-Pot-Regime in Kambodscha Sondierungsgespräche geführt und können sich in den Bürgerkriegsgebieten Schwarzafrikas relativ unbehelligt bewegen.

Wenn Staaten aus politischen Gründen unmöglich miteinander ins Gespräch kommen können, wie Süd- und Nordkorea oder China und Taiwan, sind die unparteiischen Malteser manchmal der letzte Ausweg.

Der Geschäftsträger der Ordensbotschaft in Havanna sagte dem amerikanischen Magazin „Foreign Policy“ im Jahr 1988, dass er seine Berichte sowohl an den amerikanischen Geheimdienst CIA als auch an den kubanischen Geheimdienst Cuban Intelligence (CI) geliefert hat.

Der Malteserorden, welcher der Katholischen Kirchen angehört, hat einst das Hospital erfunden. Heute kann der Orden über seine weltweit tätige Auslandsarbeit unter dem Namen Malteser International innerhalb von 24 Stunden überall auf der Welt in Katastrophengebieten mit der humanitären Nothilfe beginnen.

Überall wo es Ordensbotschaften gibt, können Medikamente und sonstige Materialien zollfrei als Diplomatengepäck eingeführt werden. Zudem hat der Orden über seine Botschafter einen ungehinderten Zugang zur Führungselite aller Staaten.

200 Ritter des Malteserordens gehören zum diplomatischen Corps. Sie sind mit Diplomatenpässen ausgestattet und genießen diplomatische Immunität.

Staatsoberhaupt auf Lebenszeit des Malteserordens ist der Fürst und Großmeister Frau‘ Matthew Festing. Festing und eine Tafel von zehn Rittern, meist aus dem obersten Ritterstand, den so genannten Profess-Rittern, die sich mit Leib und Gut dem Orden verschrieben haben und das Dreifach-Gelübde Keuschheit, Armut und Gehorsam gegenüber dem Orden abgelegt haben, stellen die Regierung des Souveränen Malteser Ritterordens in Rom.

Deutsche Assoziation ist eine Wirtschaftsmacht

Von diesen Profess-Rittern gibt es weltweit 60. Zum Orden gehören 12.500 Malteser, die weltweit verstreut in 57 souveränen Ordensgliederungen leben. Die deutsche Assoziation hat 600 Mitglieder (Frauen und Männer) und sitzt in Köln. Die einfachen Malteser gehen bürgerlichen Berufen nach und sind meist ehrenamtlich im Orden tätig.

Der Orden lebt von Spenden, wie in den USA, oder ist, wie in Deutschland, zusätzlich auch wirtschaftlich wie ein Großunternehmen aufgestellt. In Deutschland unterhält der Orden Krankenhäuser und rechnet mit den Krankenkassen ab. Die Firmen der deutschen Assoziation beschäftigen 15.000 Angestellte. Rund 45.000 Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich bei den Maltesern.

Der Souveräne Malteser Ritterorden in Rom unterhält diplomatische Beziehungen zu 104 Staaten und genießt bei den Vereinten Nationen einen Beobachterstatus, vergleichbar der Schweiz und dem Vatikan. Der Orden ist auch im Europarat und in der Europäischen Kommission repräsentiert.

Beim päpstlichen diplomatischen Bankett im Vatikan folgt der Vertreter des Malteserordens augenblicklich im Protokoll auf den Botschafter Montenegros. Die Reihenfolge ändert sich ständig, je nach Eingang des Beglaubigungsschreibens eines neuen Botschafters. Geht der Botschafter von Montenegro, rückt sein Nachfolger an den Schluss des Corps. Auf diese Weise kann der Botschafter des Malteser-Ordens, sogar wenn er entsprechend lange bleibt, Doyen des Diplomatischen Corps beim Heiligen Stuhl werden.

In Berlin nur ein Offizieller Delegierter

Deutschland unterhält zum Malteserorden keine vollen diplomatischen Beziehungen, sondern wie fünf weitere Staaten auch, offizielle Beziehungen. Der Grund besteht darin, dass der Malteserorden mit der Besetzung von Malta durch Napoleon im Jahre 1798 sein Staatsgebiet mit Staatsvolk verloren hat und somit kein Vollstaat mehr ist.

Dennoch hat der Malteserorden auch einen Botschafter in Berlin: den polnischen Malteser Maciej Baron Heydel (47), einen adligen Unternehmensberater und einstiger Vizefinanzminister Polens.

Nur lautet sein Titel nicht Botschafter, sondern Offizieller Delegierter. Er ist aber dennoch Angehöriger des Diplomatischen Corps in Berlin, hat dort einen Dienstsitz und ist für die Pflege der Ordensbeziehungen zur deutschen Bundesregierung zuständig.

Wie wird man Ritter des Malteser-Ordens?

Um Ritter des Malteser Ritterordens zu werden, muss man sich engagieren. Zwar gibt es viele Familien, die in der Bruderschaft eine lange Tradition haben. Doch es spielt heute keine Rolle mehr, ob man adlige Vorfahren hat.

Am wichtigsten ist das aktive Bekenntnis zur Katholischen Kirche, das seinen Ausdruck etwa in der ehrenamtlichen Mitarbeit in einer Pfarrgemeinde findet. Dies kann aber auch in der Übernahme eines Besuchsdienstes im Krankenhaus geschehen.

Obligatorisch ist auch die mehrfache Teilnahme an Krankenwallfahrten ins südfranzösische Lourdes, und zwar in der aktiven Krankenpflege für die zumeist schwerstkranken Teilnehmer. Außerdem ist die Übernahme ehrenamtlicher Führungsfunktionen im Malteser Hilfsdienst oder bei einer vom Orden geführten Institution erwünscht.

Einen Anspruch auf Aufnahme in den Orden gibt es nicht. Man muss von Seiten des Ordens angesprochen werden und braucht zwei Bürgen. Den Jahresbeitrag muss man noch durch Spenden ergänzen, die zusätzlich erwartet werden.

Wegen seiner Exklusivität, seiner geheimen Strukturen und der Herkunft aus den Kreuzzügen (1565 flogen türkische Schädel als Kanonenkugeln in der Schlacht um Malta, 1571 gab es beim Blutbad im Golf von Korinth 50.000 Seeschlacht-Tote – bis heute trauriger Weltrekord) ranken sich viele Verschwörungstheorien um den Malteserorden. Zumal die Beziehungen des Ordens zum Vatikan sehr eng sind.

Der Papst mischt sich zwar nicht in die staatsrechtlichen Angelegenheiten wie der eigenen Flagge mit weißem Kreuz auf rotem Grund, der eigenen Währung (1 Scudo hat einen Wert von 24 Euro-Cent), eigenen Briefmarken, Autokennzeichen (SMOM, italienisch für Sovrano Militare Ordine di Malta), eigenem Staatsanwalt, eigener Gerichte, eigenem Militärcorps innerhalb der italienischen Armee und einer eigenen Verfassung (Carta Costitutionale). Aber der Papst entsendet ständig einen hochrangigen Kardinal zu den Maltesern. Zurzeit ist das Paolo Kardinal Sardi, der ehemalige Vizekämmerer des Vatikans. Er ist jetzt Kardinalpatron des Ordens.

Moscheen in Kathedralen umwandeln

Der Malteser-Ritterorden wird verdächtigt, einen neuen Kreuzzug gegen die alten muslimischen Gegner zu führen. Der berühmte US-amerikanische Enthüllungsjournalist Seymor Hersh deckte im Vietnamkrieg das Massaker von My Lai und im Irakkrieg den Folterskandal im Abu-Ghuraib-Gefängnis auf.

Nun behauptet Seymor Hersh, Malteser-Ritter hätten die Entscheidungsgremien der Macht unterwandert, um „Moscheen in Kathedralen umzuwandeln“. Angeblich steuern sie sogar das Joint Special Operations Command (JSOC), den Führungsstab für geheime Kommandounternehmungen der US Army.

All diese Vorwürfe dementiert der Orden. Trotzdem machen sie ihm zu schaffen. Kürzlich war er sogar gezwungen, ausdrücklich zu betonen, dass er keine militärischen Interessen im Nahen Osten oder irgendwo sonst auf der Welt verfolge und längst keine bewaffneten Ritter mehr einsetze.

Islamistische Websites in Ägypten haben zum Heiligen Krieg gegen die Malteser aufgerufen und Selbstmordanschläge gegen die Botschaft der Ordensritter in Kairo gefordert. Aber eigentlich wollen die Malteser-Ritter wie schon vor 898 Jahren im Jahre 1113 (Anerkennung durch Papst Paschalis II. mit Recht auf Staat und Heer) einfach nur Krankenhelfer sein – und nicht schon wieder die Kampfeinheit des Vatikans.

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