Die ungemütliche Transformation zum digitalen Nomaden

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Immer mehr Menschen wollen aus dem alltäglichen Joballtag ausbrechen – sie wollen selbst bestimmen und flexibel sein. Sie wollen arbeiten, Ja. Gleichzeitig aber nicht an einen Ort oder feste Arbeitszeiten gebunden sein. Die Umstellung von dem so bequemen Alltag zum Digitalen Nomaden funktioniert aber nicht von einem Tag auf den anderen.

Die ungemütliche Transformation zum Digitalen Nomaden (Foto: Steven Zwerink)
Die ungemütliche Transformation zum Digitalen Nomaden (Foto: Steven Zwerink)

Transformation zum Digitalen Nomaden

Der neue Trend des Digitalen Nomaden wird inzwischen von großen Firmen toleriert und gefördert. Solange man seine Arbeit erledigt und abliefert, ist es egal ob man im lokalen Bürogebäude oder am Strand in Bali sitzt.

Das Leben eines Digitalen Nomaden erfordert aber auch Opfer. Der neue Lifestyle des Modernen, Relbstständigen und Reisenden kommt nicht für jeden in Frage. Hier ist warum.

Liebling gegen Einsamkeit

Mit welchem Ziel geht man reisen? Ist Reisen nicht nur dann erstrebenswert, wenn man zu einem warmen Zuhause zurückkehren kann? Diese Fragen stellt sich ein Digitaler Nomade jeden Tag.

Die Lieblingsbäckerei, das süße Ehepaar von Gegenüber, altbekannte Freunde, der monatliche Flirt mit der immer noch Unbekannten hinter der Theke am Kino oder sein routinierter Kaffee auf dem Weg zum Park.

Wer seinen Wohnort alle paar Tage oder Wochen ändert, muss mit Einsamkeit zurechtkommen lernen. Alles und jedem dem man Hallo sagt muss man schon bald wieder Lebewohl sagen. Alles ist zeitlich begrenzt – man hat keine Konstante in seinem Leben außer seine Arbeit und Computer.

Aber wenigstens sieht man jeden Monat eine neue Kirche in einer neuen Stadt.

Enttäuschtes Planen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Jeder neue Ort muss aufgenommen und neue Eindrücke verarbeitet werden. Erst nach ein paar Tagen kann man sich seinen langfristigen Zielen widmen und eine Routine entwickeln. Hört sich pessimistisch an?

Auch wenn Reisen super toll und erfrischend ist, es ist genauso anstrengend für die Psyche. Der Halbmarathon nächsten Frühling, das Sixpack bis zum Sommer, die Leseliste, eine neue Sprache lernen oder tägliches Meditieren – viel Glück.

Der Digitale Nomade muss seine langfristigen Ziele opfern und mit unverwirklichten Plänen leben können. Die einzige Konsequenz ist damit aufzuhören zu planen. Mache es jetzt und sofort oder höre auf daran zu denken.

Shopping adé

Alle Digitalen Nomaden müssen ihren Stil selbst entwickeln, dennoch haben sie alle etwas gemeinsam: sie reisen mit minimalem Gepäck. Eine Shoppingtour kommt ihnen nicht einmal in den Sinn – man kann seinen Rucksack eben nicht noch schwerer machen.

Hier ist die ultimative Packliste für Digitale Nomaden.

Die Kreditkarte bezahlt ein Dach über dem Kopf und das tägliche Wasser und Brot. Am Ende muss man selbst damit finanziell zurechtkommen, denn es ist viel zu verführerisch jeden Tag ein neues Restaurant in einer neuen Stadt zu probieren. Wer geht schon jeden Tag einkaufen und kocht für sich alleine?

Ein schlechtes Gewissen in jeder Stadt

Jeden Tag gibt es Arbeit. Dennoch keine geregelte Freizeit. Man arbeitet bis die Arbeit erledigt ist. Wenn man seine Zeit dabei selbst einteilen muss gerät man schnell in ein Dilemma.

Warum heute nicht ausschlafen? Wieso nicht einen Spaziergang am Strand machen? Oder doch erst arbeiten und dann an die frische Luft? Man findet sich an seinem Computer wieder und erwischt sich in einem Tagtraum nach dem anderen. Die Zeit vergeht, der Workload aber nicht.

Am Ende des Tages ist man heil froh seine Arbeit erledigt zu haben. Am Ende der Woche hat man ein schlechtes Gewissen nicht ein Teil der lokalen Community geworden zu sein – und schon ist man wieder weg.

Tägliche Persönlichkeitskrisen

Viele brauchen ihre Komfortzone, ihre Routine und Gewohnheiten. Wer sich jeden Tag einem kulturellen Schock aussetzt, fragt sich immerzu dieselbe Frage: Was mache ich eigentlich mit meinem Leben?

Das ist für sehr viele Menschen ein guter Grund depressiv zu werden. Für Digitale Nomaden ist es normal sich selbst anzuzweifeln, mit anderen zu vergleichen und harsche Kritik gegenüber zu äußern. Bis man irgendwann resistent gegen den eigenen, erhobenen Zeigefinger wird.

Die Transformation zum Digitalen Nomaden ist keine leichte. Man muss der Typ dafür sein und die konstante Veränderung lieben lernen.

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